Montag, 21. November 2016

Die Wissenschaft des Lesegenusses: Buch und Musik

Hallo ihr Lieben!
Eines schönen Nachmittags irgendwann letzte Woche fragte mich meine Freundin und Mitbewohnerin völlig entgeistert: Wie zur Hölle kannst du so lesen?!

Sie spielte darauf an, dass ich in der Mehrzahl der Fälle nicht lese, ohne das nebenher Musik läuft. Diese Diskussion ist wahrscheinlich so alt wie der klassische Buchmensch-reflektiert-über-seinen-eigenen-Literaturgenuss-Post, wird aber trotzdem nie langweilig, denn jeder hat andere Beweggründe für seine Lesegewohnheiten (der Vollständigkeit halber hier noch die neudeutsche Bezeichnung, damit ich nicht ganz so oldschool rüberkomme: reading habits).

Ja, liebe Leute, ich bin eines dieser Generation Y-Kinder - offensichtlich kann ich die Stille nicht ertragen, komme ohne Mediengenuss und Hintergrundrauschen vielfältiger Art nicht aus, brauche jeden Tag eine andere Playlist auf Spotify/Deezer/iTunes. Wäre das hier eine andere Art Post, würde ich mich mit dieser Tatsache durchaus mal kritisch auseinandersetzen, denn ganz unbedenklich ist das auch nicht. Stattdessen hier eine kleine persönliche Anekdote zum Verhältnis von Mensch und modernen Medien: Selbst meine Mutter kriegt die Krätze, wenn sie bei ihren eigenen Eltern auf dem Land kurz vor dem Rand der Welt zu Besuch ist und tagelang nur die Wahl zwischen 32 kBit/s-Internet (also im Endeffekt keinem Internet) und Schlagerboom-Wiederholungen auf ARD hat. 

So kommt es jedenfalls, dass so mancher Mensch nur den Kopf schütteln kann, wenn ich zu Büchern Musik höre - oder zu Musik Bücher lese. Für mich jedoch ist das ganz natürlich: Ich verbinde mit Musik Emotionen, jedes Lied vermittelt eine Atmosphäre oder Stimmung und spätestens nach den ersten hundert Seiten eines Buches habe ich eine Playlist versammelt, die fortan mehr oder weniger stark mit eben jener Geschichte verknüpft sein wird.

Gewissermaßen erhält bei mir jedes Buch einen eigenen Soundtrack. Die Zusammenstellung mag davon beeinflusst sein, was ich in eben jenen Momenten sowieso gerade höre, doch auch Setting und Stimmung des Buches beeinflussen sie genauso stark. Manchmal passen Lyrics oder Melodie - oder schlicht und einfach die von mir ganz persönlich wahrgenommene Atmosphäre des Liedes - besonders gut zum Buch.

Das tolle daran ist, dass besonders "prägende" Lieder und Geschichten für mich noch jahrelang miteinander verbunden bleiben. Ich weiß heute noch, dass ich zu Höllenritt (Dante Valentine #2) von Lilith Saintcrow Please Don't Go von Mike Posner gehört habe. Mit Cress bzw. Wie Sterne so golden (Lunar Chronicles #3) von Marissa Meyer verbinde ich besonders stark Beggin for Thread von BANKS (Gryffin & Hotel Garuda Remix) und Victory von Sound Remedy feat. Evvy. Sias Fire meet gasoline wird mich immer an A Court of Thorns and Roses von Sarah J. Maas erinnern. 

Wenn man bedenkt das ich beispielsweise Höllenritt schon 2011 gelesen habe, ist es schon beachtlich, dass dieses Lied noch immer so stark mit der Geschichte und teilweise mit einzelnen Szenen daraus verknüpft ist.
Vielleicht erinnern sich die ganz alten Hasen noch daran, dass ich zwecks Abitur-Prokrastination im Januar/Februar 2012 sämtliche Harry Potter-Bände am Stück verschlungen habe. Dazu habe ich das gesamte Album Ceremonials von Florence + the Machine auf Replay gehört. Immer und immer wieder. Noch heute erinnert mich No Light, No Light an Dobbys Tod. Für mich haben das magische Harry Potter-Feeling und diese für mich leicht übernatürliche ätherische Stimmung des Florence-Albums extrem gut harmoniert - und das ist noch heute so.

Zu bedenken ist dabei natürlich, dass der Replay-Button und ich eine never ending lovestory sind. Finde ich ein Lied wirklich gut, dann überhöre ich mich nur sehr selten daran und kann es stundenlang am Stück und auch nach Jahren immer noch gern hören.

Wie geht es euch mit Musik und Literatur? Genießt ihr sie getrennt oder verbunden?
Welche Lesegewohnheit auch immer die eure ist: erfreut euch daran und bleibt anderen gegenüber tolerant - denn Geschmäcker sind eben verschieden. ;)
Liebe Grüße, eure Jasmin.

Kommentare:

  1. Im Zug verbinde ich Musik und lesen sehr gerne, alleine schon um die Gespräche um mich herum zu übertönen. Zu Hause aber gar nicht, da lese ich am liebsten ohne musikalische Untermalung. Obwohl es mich prinzipiell auch nicht stört, nur bekomme ich beim Lesen meist von der Musik nicht viel mit, deshalb lasse ich sie gleich aus.

    LG
    Sabrina

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  2. Ich kann zum Lesen nur sehr schlecht Musik mit Lyrics hören, weil ich mich dann nicht mehr aufs Buch konzentrieren kann. Deshalb höre ich nur Musik, wenn ich Gespräche übertönen muss, zum Beispiel im Zug. Da dann meistens den Fluch der Karibik Soundtrack, der grunsätzlich jedes Buch gleich viel dramatischer und spannender macht :D Das passt zwar nicht immer zur Geschichte, aber es erfüllt seinen Zweck.

    Liebe Grüße!

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  3. Daran habe ich so gar nicht gedacht - aber natürlich ist Musik gerade dann wichtig, wenn man Stimmengewirr beim Lesen ausblenden will, da habt ihr beide völlig recht. Das mache ich durch meine Angewohnheit praktisch "automatisch" *lach*.

    Als Soundtrack höre ich bei Fantasy-Büchern manchmal Herr der Ringe, das ist so schön episch und passt dann ganz gut. Die meiste Zeit über bevorzuge ich allerdings tatsächlich Musik mit Lyrics, mir verschafft das gar kein Konzentrationsproblem :)

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