Dienstag, 9. August 2016

Rezension "Stadt der Finsternis: Ein neuer Morgen" von Ilona Andrews

(c)Goodreads
Rezension
Stadt der Finsternis 8: Ein neuer Morgen
von Ilona Andrews

LYX
ISBN: 978-3736301672
Paperback mit 442 Seiten
Sprache: Deutsch
Genre: Urban Fantasy
Preis: 12,99 €

Reihe: Stadt der Finsternis/Kate Daniels #8
1. Die Nacht der Magie  |  2. Die dunkle Flut
3. Duell der Schatten  |  4. Magisches Blut
5. Ruf der Toten  |  6. Tödliches Bündnis
7. Ein Feind aus alter Zeit  |  8. Ein neuer Morgen
9. Magic Binds (engl. ET: 22.09.16)  
10. - noch kein Titel - (engl. ET: 2017)


Inhalt
Seit die ehemalige Söldnerin Kate Daniels und ihr Gefährte, der Gestaltwandler Curran Lennart, ihr Rudel verlassen haben, verläuft ihr Leben in ruhigeren Bahnen. Doch dann erfahren sie, dass ihr Freund Eduardo verschwunden ist. Eduardo war ein Mitglied der Söldnergilde, und als Kate und Curran seiner Spur folgen, decken sie eine geheime Verschwörung innerhalb der Gilde auf. Ein alter Feind will die Stadt Atlanta ins Chaos stürzen – und Kate und Curran sind die Einzigen, die ihm noch Einhalt gebieten können. (c)Goodreads

Meine Meinung
Mit diesem Band und mir ist es etwas seltsam.
Ich habe im Vorhinein, wie immer, einige Rezensionen zum Buch gelesen. Die Hauptkritikpunkte, in denen zumindest einige Leser übereinstimmen, sind: 1. Der Band war etwas schlechter als die Vorgänger, 2. Der Roman fühlte sich nach einem Filler auf dem Weg zum Finale an. Und da haben diese kritischen Stimmen recht.

Was mich angeht, bewegt mich weder das eine noch das andere Argument dazu, dass Buch großartig schlechter zu bewerten. Der Band kann definitiv nicht ganz mit den vorherigen mithalten. Das liegt vor allem daran, dass er tatsächlich einen Ermittlungsfall aufnimmt, der zur übergreifenden Story im Vergleich wenig beiträgt. Dadurch steht er, was die epic- und awesomeness angeht, ein kleines bisschen blasser da als seine Vorgänger - und kann tatsächlich als Filler aufgefasst werden.

Wegen genau dieser Konstellation feiere ich diesen Band nun aber geradezu. Er bekommt deswegen "nur" 4,5 statt der gewohnten 5 Sterne, aber er gibt mir etwas, das ich sonst bei vielen anderen guten oder sehr guten Reihen des Genres vermisse: Zeit mit den Protagonisten. Natürlich herrscht auch in Ein neuer Morgen viel Doom und Gloom, aber wenn es in einer (Urban Fantasy-)Reihe aufs Ende zugeht, fehlen mir in der Regel ob der spiralenartig steigenden Bedrohung durch den "Übergegner" die Fallarbeit und die Etappensiege (ergo die Falllösung und Vernichtung des momentanen Gegners). Ein neuer Morgen gibt dem Leser die Chance, Kate noch einmal in einem "normalen" Fall zu erleben, wie es ihn seit Band 4/5 nicht mehr gab, und das habe ich genossen! Denn zudem war es endlich einmal Ermittlungsarbeit, in der Curran von Anfang bis Ende involviert war. Er war nicht in jeder Szene anwesend, doch die Ermittlungen haben unsere beiden Lieblingsschläger diesmal zusammen aufgenommen und durchzogen. 

Der Fall liefert uns das, was wir von Andrews gewohnt sind: Komplexität, Logik, Spannung, interessante Mythologie. An einigen Stellen war der Informationsinput etwas überwältigend, vielleicht hätte man das ein oder andere mythologische Wesen aufsparen können, denn hier werden wir mit einer ganz schönen Masse beworfen. Zumindest mir sind keine größeren Logikbrüche aufgefallen, sodass der Geschichte das Infodumping verziehen wird und ich es unter dem halben abgezogenen Stern verbuche.

Schade war, dass man von lieb gewonnen Nebenfiguren wie Andrea, Raphael, Derek, Jezebel, Barabas, Christopher, Jim und Dali eher wenig gehört hat. Sie kommen zwar vor, man hätte sie aber stärker aktiv und agierend in die Ereignisse verflechten können, statt Curran und Kate alles im Alleingang wuppen zu lassen.
Daraus ergab sich gleichzeitig aber eine stärkere Konzentration auf Curran, Kate und Julie als neue Kernfamilie, die ebenfalls ihre Vorzüge hatte. Julie ist langsam alt genug, um an einigen Stellen mit von der Partie zu sein und sie ist wundervoll - kommt ganz nach ihrer (Ersatz)Mutti! Ich habe es sehr genossen, Kate und Curran über lange Strecken zusammen agieren zu sehen und habe mich über jede gemeinsame Szene im oder außerhalb des Kampfes gefreut.
Überrascht war ich, wie wenig mir das Rudel und die peripheren Figuren daraus fehlen. Tatsächlich hat dieser Band noch einmal klargemacht, wie beschissen sich das Rudel Kate gegenüber benommen hat. Normalerweise stehe ich schwer auf Geschichten, die in einem solch familiären engen Rahmen wie einem Rudel spielen, aber Kates - Gott sei Dank durch einige enge und liebgewonnene Gefährten erweiterte - Familie reicht mir völlig aus.

Fazit
Es ist Jammern auf hohem Niveau: ein bisschen weniger episch, ein bisschen weniger temporeich in der Entwicklung des übergreifenden Storyarcs, ein etwas mythologisch überladener Ermittlungsfall. Als Fan der Reihe sehe ich das nicht so eng. Es ist noch immer eine brilliante Geschichte, die aber zu Atem kommen lässt. Statt Kate permanent nur der - spoilerfrei formuliert - übergroßen Hauptbedrohung nachrennen zu sehen, schenkt uns das Autorenduo hier gemeinsame Zeit mit Curran und Kate; lässt uns zusehen, wie sie enger zusammenwachsen und um einander kämpfen; lässt uns noch einmal einen Ermittlungsfall verfolgen - denn mit denen hat sie in den ersten Bänden der Reihe schließlich angefangen, unsere Liebe zur Kate Daniels-Reihe. 
Vielleicht ist der Band also gar nicht im eigentlichen Sinne schlechter, sondern einfach nur anders, als man als Leser den Fortgang erwartet hätte. Lässt man sich darauf an, erlebt man den gewohnt wilden Ritt voller Action und inniger/rührender, diesmal sogar sehr dramatischer, Szenen.

4,5 von 5 Buchwelten


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Eine (kritische und erleuchtende) andere Meinung zum Buch bei: books for all eternity (3-4 Sterne)

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