Donnerstag, 18. August 2016

Printbuch vs. eBook: Klasse vs. Masse?

Hallo, ihr Lieben!
Ich habe den Laberpost angekündigt - und ich habe es tatsächlich geschafft, ihn zu schreiben! Der Posttitel mag jetzt erstmal wenig aufschlussreich klingen, aber vielleicht ahnt ihr, worum es geht. In letzter Zeit, beginnend mit dem letzten Jahr, kaufe ich weniger Printbücher und lese fast die Hälfte meiner Lektüre als digitale Ausgaben. 

Inzwischen hat sich dieses Verhalten nun eingeschliffen und ich kann durchaus sagen, dass ich nur noch Bücher als Printausgaben kaufe, von denen ich weiß, dass sie mir extrem gut gefallen werden. Ergo sind das meist Reihenfortsetzungen oder Bücher von Autoren, die ich seit langem sehr gern verfolge. Probiere ich neue Reihen oder Autoren aus, dann passiert das neuerdings vor allem im eBook-Format (Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel).  

Die einfache Gleichung ist also Printbuch = Klasse, eBook = Masse

Und so soll es irgendwann in Zukunft auch in meinem Bücherregal aussehen, denn ein Hauptgrund für diese Entwicklung ist eine Erkenntnis, die ich während einiger Umzüge und Wohnungseinrichtungen bei Freunden und Familie gewonnen habe. Eine liebe Freundin ist im vergangenen Jahr umgezogen. Der ewige Traum des Bücherwurms von der eigenen kleinen Bibliothek hat auch sie nicht verschont, dazu kommt bei ihr noch dieselbe Sammelleidenschaft für Filme und Serien. Beim Umziehen ist aber genau dieses Sammelhobby sehr anstregend, denn die Bücher müssen wie alles andere auch von der alten in die neue Wohnung umgelagert werden. Dazu kommt, dass diese Bücher, DVDs und Blu-Rays natürlich ihren Platz beanspruchen, ganz klar. Je mehr es werden, desto problematischer wird das, wenn man es sich eben nicht leisten kann, eine große Wohnung mit extra "Bibliothek" zu mieten. Dasselbe Dilemma habe ich im vergangenen Monat erlebt, als meine ebenfalls sehr lesefreudige Mama umgezogen ist.

Dadurch hat sich meine Sicht auf das allseits - auch von mir - geliebte Printbuch ein wenig verschoben. Bücher sind Schätze und werden es für mich immer bleiben - aber wenn es im Leben gilt, freiwillig oder unfreiwillig räumlich flexibel sein zu müssen, dann können sie auch zum Ballast werden. Und ein bisschen Ballast abzuwerfen, ist gar nicht so schlecht. Nicht jeder mag das so empfinden, aber meine Perspektive hat sich in diese Richtung entwickelt.

Daher kommt es also, dass ich nicht mehr alle Bücher im Printformat kaufe, sondern vermehrt auf die digitale Version zurückgreife. Dabei spielen natürlich auch noch andere Faktoren als das Platzargument eine Rolle: zum Beispiel sind gerade englische eBooks oft billiger als ihre Printpendants, der Kindle ist leicht mitzunehmen und man hat seine vielen vielen Bücher immer dabei. Nicht zuletzt werden die eBooks immer in der digitalen Bibliothek verbleiben, ich bin nicht gezwungen, sie auszusortieren und kann jederzeit, egal wie lange es her ist, zu den Geschichten zurückkehren. All diese Vorteile kennt ihr, da erzähle ich nichts Neues.

Schwieriger wird es, wenn ich etappenweise meinen bereits gekauften Printbestand verkleinern will. Oftmals wünschte ich dann, ein Printbuch in das digitale Buch umtauschen zu können, da ich die Geschichten doch nicht loslassen will. Schweren Herzens habe ich mich diesen Frühling von fast 100 Taschenbüchern getrennt, im Herbst werden viele Jugendbücher folgen. Dann bricht es mir schon gelegentlich ein bisschen das Bücherherz, dass meine gesammelten Bücher mir so sehr wie Ballast vorkommen und ich sie nicht mehr mit ungetrübter Sammler- und Leserfreude im Regal betrachte. 

So verabschiede ich mich also vom Traum der eigenen kleinen Bibliothek und gebe mich mit meinem Regal zufrieden. Ich blicke diesem Wunsch mit einem weinenden und einem lachenden Auge nach. Manchmal tue ich ihn als romantisch ab, manchmal als kindisch; manchmal überlege ich, ob es richtig ist, sich von so vielen Buchschätzen zu trennen bzw. sie nicht mehr als Papierstapel sondern als 45 KB-Datei zu kaufen. Manchmal denke ich, dass ich damit wieder einen Jugendtraum dem Erwachsensein geopfert habe (auch wenn's pathetisch klingt). Dann komme ich über diese Melancholie aber doch hinweg, denn ich werde sie ja lange nicht alle weggeben. Es sollen nur nicht mehr so viele sein, dass es sich wie Ballast anfühlt. 

Wie steht ihr zu den beiden Formaten? Wem hat diese unromantische Anti-Printbuch-Proklamation nur ein Kopfschütteln entlockt? Erzählt es mir!
Liebe Grüße, Eure Jasmin.

P.S.: Im Herbst werde ich im Zuge einer Bestandverkleinerung Jugendbücher ziehen lassen müssen. Vor allem Hardcover. Wenn jemand gegen Erstattung der Versandkosten einen ganzen Schwung nehmen möchte, um ihnen ein schönes neues zu Hause zu geben, könnte er sich gerne schon einmal per Mail bei mir voranmelden.

Kommentare:

  1. Umziehen mit Büchern macht wirklich keinen Spaß, das habe ich einmal gemacht und irgendwann war ich so weit meine Bücher zu verfluchen.

    Weniger Bücher als vor einem Jahr habe ich mittlerweile auch, von sechs Regalen habe ich auf drei reduziert, allerdings aus anderen Gründen als du. Ich will nur noch Bücher zu Hause haben, dich ich wirklich mag, die mir viel bedeuten und die ich in Zukunft erneut lesen will. Drei Regale voll sind aber trotzdem übrig und dabei wird es auch bleiben.

    Wenn ich Bücher liebe, will ich sie unbedingt in der Printversion zu Hause haben, als E-Book reicht für mich da normalerweise nicht aus. Denn ich will beim Lesen meiner Lieblinge das Buch fühlen und riechen können, da haben E-Books keine Chance. Und auch wenn ich heute mehr E-Books lese als noch vor ein paar Jahren, bleiben Printbücher doch immer meine liebste Buchform.

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    1. Nach zwei solchen Horrorumzügen in einem Jahr habe ich sie auch verflucht, glaub mir *lach*.

      Ja, dass du bei dir ausgemistet hast, habe ich mitbekommen. Das ist doch eine Reduzierung um 50 %, was doch bei der Masse an Büchern eine Menge ist! Ganz ähnlich mache ich es auch: ich behalte ebenfalls nur noch jene Bücher im Regal, die eine spezielle Bedeutung haben oder die ich noch mal lesen will.

      Und lange habe ich das genauso gesehen wie du: meine Lieblinge muss ich auch als Print daheim haben. Davon habe ich mich aber nun verabschiedet und festgestellt, dass man auch in Favoriten-eBooks prima nochmal schnuppern kann, auch wenn natürlich der Besitzerstolz-Effekt sehr gering ist *lach*.

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  2. Für mich wäre die beste Alternative zu einem Printbuch mit geringem Aufpreis gleich das E-Book zu bekommen, weil ich inzwischen E-Books lieber lese, man muss wegen Leseknicken nicht aufpassen, ich habe kein Beleuchtungsproblem und kann ohne Probleme markieren und Notizen machen. Inzwischen habe ich meine allerliebsten Romane (wenn die E-Books nicht ZU teuer sind) tatsächlich in beiden Formaten. Ansonsten greife ich eigentlich immer noch lieber zum Printbuch (trotz Platzproblemen und die Umzüge mit Büchern kenne ich auch!), außer das E-Book ist VIEL günstiger als die Printausgabe, wie es z.B. bei vielen Independent Autoren ist. Da gebe ich lieber 3-4€ für das E-Book anstatt 15€ für die Printausgabe aus. Und wenn mir dann ein Roman super gut gefällt kaufe ich die Printausgabe. Wenn es die denn gibt. Bei 5€ für das E-Book zu 7,50€ wie bei vielen englischen Mass Market Paperbacks kaufe ich dann immer noch lieber das Printbuch. Oder wenn ich nicht warten kann mit dem Lesen sogar beides. ^^ Trotz Platzproblemen ist es für mich einfach das Format für Bücher. Und einfach so befriedigend wenn man seine Bücher so im Regal stehen hat.

    Also um etwas langes kurzzufassen: Ich mag beide Formate und hätte am liebsten beide Varianten :D

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    1. Das wäre tatsächlich cool, wenn man beim Kauf des Printbuches vielleicht einen Code bekäme, mit dem man die eBook-Version günstiger dazukaufen könnte. Das würde mich tatsächlich sehr ansprechen. Bei anderen Medien wird das schließlich auch schon angeboten: kauft man eine CD, werden die mp3-Dateien ins Benutzerkonto geladen usw. Mal schauen ob die Verlagsbranche da auch drauf kommt *lach*.

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  3. Ich kann deine Entscheidung echt nachvollziehen - und besonders als Bücherliebhaberin finde ich das Ganze ziemlich, ja, schon fast mutig. Weil du eben darauf verzichtest, dir das alles so hübsch anschauen zu können und da ganz praktisch denkst. Bewundernswert! Ich würde ja theoretisch auch mehr ebooks lesen, aber irgendwie kann ich an den Readern nie lange sitzen. Es treibt mich dann, etwas anderes zu tun, es wegzulegen und mich anderen Dingen zuzuwenden - ganz seltsam. Momentan habe ich auch sowieso nicht das Geld für einen neuen Reader, von daher...Aber grade wo ich deinen Post lese, denke ich, wie viel einfacher mein Umzug letzten Monat gewesen wäre, wenn ich nicht ewig lange hätte aussortieren und nachdenken müssen, was ich mitnehme und was ich da lasse. Das war echt hart. Um für die Zukunft vorzusorgen, ist deine Alternative wirklich gar nicht schlecht.

    Ich danke dir für den Einblick in deine Gedanken, wie du siehst, hast du auch mich echt zu Überlegungen angestiftet ;)

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    1. "Mutig" ist eine interessante Wortwahl, ich komme mir eher wie ein Ketzer an meinem eigenen Hobby vor *lach*. Das ist bei mir einfach aus einem allgemeinen Lebensgefühl heraus erwachsen, zu viel zu haben, was mich festhält.
      Als ich meinen eReader vor ein paar Jahren frisch hatte, ging mir das auch so. In den ersten paar Jahren habe ich ihn letztendlich sehr wenig benutzt und zwischendrin echt gedacht, es war eine totale Fehlinvestition. Aber dann gab es eine Zeit, wo ich viele Digital Specials gelesen habe und dann habe ich mich irgendwie dran gewöhnt und bin dran hängen geblieben. Aber ich schätze, das ist einfach Geschmackssache. Was ich am Reader oft vermisste ist, dass man z.B. die genaue Seitenzahl oft nicht nachsehen kann, auf der man gerade ist. Und über ein besonders schönes Cover streichen und es bunt und mit allen Verzierungen in Händen zu halten, fehlt mir auch...
      Vielleicht ändert sich meine Ansicht in zwei, drei Jahren auch wieder, wenn ich mich dann "niedergelassen" habe. Zur Zeit gehe ich ja auch auf eine Lebensphase zu, in der ich nicht weiß, wo ich landen werde. Nächstes Jahr mache ich mein Erstes Staatsexamen und muss dann anderthalb Jahre ins Referendariat und mir danach Arbeit suchen. Von daher kann es sein, dass zweimal recht spontan umziehen muss - diese Zukunftsperspektive hat zu meinem Verhalten ganz sicher beigetragen!

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  4. Ich kann verstehen, was du meinst. Ich bin glücklicherweise noch nie umgezogen, aber mir graut es auch schon davor, meine ganzen Bücher zu schleppen, wenn ich mal ausziehe. Der Platz ist natürlich auch ein Argument. Trotzdem reichen diese Argumente für mich nicht, um wirklich auf ebooks umzusteigen. Ich lese sie schon, aber die digitale Ausgabe kaufe ich nur dann, wenn es entweder nicht anders geht oder sie wirklich deutlich billiger ist. Gerade bei deutschen Büchern gibt es da ja kaum einen Preisunterschied und da sehe ich es dann nicht ein, für die Datei das gleiche zu zahlen wie für das "echte" Buch.
    Mir fällt das Aussortieren auch nicht besonders schwer und einen sehr großen Teil gebe ich direkt nach dem Lesen wieder weg. Was du dabei als Vorteil für ebooks genannt hast, stört mich dabei. Man kann sie nicht wieder verkaufen oder tauschen und hat dann nichts mehr davon, wenn man sie nicht noch mal lesen möchte, sondern muss sie behalten.
    Ich kann deine Argumente also gut verstehen, aber zu mir passt das leider nicht.

    Liebe Grüße!

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