Donnerstag, 12. November 2015

Rezension: Vamp City 1: Hinter den Zeiten von Pamela Palmer

(c)Goodreads
Rezenion
Vamp City 1: Hinter den Zeiten
Von Pamela Palmer

LYX Egmont
ISBN: 978-3802594083
Taschenbuch mit ca. 409 Seiten
Sprache: Deutsch
Genre: Romantic Fantasy
Preis: 9,99 €


Reihe: Vamp City #1
1. Hinter den Zeiten
2. Das dunkle Portal
3. Of Blood and Passion (kein deutscher ET bekannt)





Inhalt
Auf der Suche nach ihrem Bruder gerät Quinn Lennox in eine dunkle Unterwelt, die nur sie sehen kann. Dort begegnet ihr der Vampir Arturo Mazza, der sie mit seinem gefährlichen Charme völlig in seinen Bann schlägt. Quinn glaubt, ihm nicht trauen zu können, doch wenn sie ihren Bruder retten will, ist sie auf seine Hilfe angewiesen.
(c)Goodreads

Meine Meinung
Es scheint ganz so, als hätten die Vampire mit den Fae die Plätze getauscht. Sie befinden sich jetzt auf Platz 1 der Liste des Desinteresses. Ich habe inzwischen wohl zu viele Vampirgeschichten gelesen - auch wenn hier zur Abwechslung die Vampire nicht im Sonnenlicht funkeln, sondern ernsthaft gefährlich sind.

Worldbuilding
Pamela Palmer hat sich hier etwas durchaus Neues ausgedacht. Parallel zum alltäglichen Washington D.C. existiert ein dunkles Abbild der Stadt, welches im 19. Jahrhundert durch einen mächtigen Zauber geschaffen wurde. In dieser Dimension, in der die Stadt noch immer aussieht wie im 19. Jh., ist es immer Nacht. Hier leben die Vampire mit ihren menschlichen Sklaven. Und diese Vampire sind brutal, grausam und verbrauchen das Leben ihrer Sklaven im Stundentakt. Das klingt gut, nicht wahr? Statt weichgespülter jahrhundertealter Kavaliere kommt man hier mit lauter Monstern in Berührung, die nach einer völlig verdrehten Moral leben.
Leider war mir das Ganze zu unnötig brutal. Es wirkte fast schon gezwungen, wie die Autorin den Vampiren nur in den seltensten Momenten auch einmal einen anderen Charakterzug einräumt als Kaltherzigkeit. Das mag einen gewissen Reiz haben, führte bei mir aber dazu, dass ich mich mit den Figuren nicht identifizieren konnte. Selbst Arturo, der schon eine gewisse Zuneigung für Quinn zeigt, lügt und betrügt in beinahe jeder Szene. Wie zur Hölle soll ich die sich anbahnende Liebesgeschichte da glaubhaft finden? Es wirkt eher krankhaft, dass Quinn ihm nicht widerstehen kann.

Handlungs- und Spannungsbogen
Obwohl es in der Geschichte von Anfang an zur Sache geht und an brutalen Szenen nicht gespart wird, tritt die Handlung für meine Begriffe viel zu lange auf der Stelle. Es ist eine ewige Abfolge von Fluchtversuchen, nach denen Quinn dann wieder eingefangen wird – entweder gegen ihren Willen, oder weil sie sich selbst so viel Ärger verschafft hat, dass Arturo sie „retten“ muss. Wenn Quinn nach dem fünften Mal immer noch nicht geschnallt hat, dass sie ohne einen ordentlich durchdachten Plan dort nicht herauskommt, dann kriege ich Muskelkrämpfe vom Augenrollen.
Dazwischen kommt es dann zu kleineren intimen Momenten zwischen den Protagonisten, die mir zum Teil völlig deplatziert erschienen und keinerlei Emotion herüberbrachten.
Der Showdown bringt wenigstens einen Fortschritt bei Quinn, auch wenn er wenig spektakulär ausfiel – und das Ganze endet mit einer weiteren fetten Lüge von Arturo. Surprise, Surprise. Am Ende der Geschichte hatte ich das Gefühl, wieder am Anfang zu stehen. Es hatte sich wenig verändert.

Charaktere
Im Grunde mochte ich Quinn sogar. Sie verliert trotz Kummer und Schmerzen nicht ihre Willenskraft, aber ihr Mut grenzt zu oft an Naivität. Und ihre Fixierung auf die Rettung ihres Bruders war mir zu krankhaft obsessiv, denn das ständige Ich-muss-meinen-Bruder-retten-Mantra trug zu dem Gefühl bei, in dieser Geschichte wie in einem Hamsterrad zu treten, ohne voranzukommen.
Arturo taut während der Geschehnisse immerhin auf und beginnt sein Gewissen zu entdecken, während er eine eigenwillige Zuneigung für Quinn entwickelt. Abgemildert wird dieser Eindruck, da er auch vorher schon einer der gemäßigten Vampire war. Und trotzdem dreht auch er sich in einem Kreislauf aus Lügen, Verrat und einer Loyalitätskrise zwischen seinem Vampirherren und Quinn. Und daran ändert sich bis zum Ende nichts (gah!).

Schreibstil
Obwohl der Schreibstil an sich sehr flüssig lief, sind mir einige Formulierungen unangenehm aufgefallen. Manchmal saß ich da und überlegte, ob man das auf Deutsch wirklich so sagen kann (gemäß Standardsprache), oder ob hier zu wortwörtlich übersetzt wurde. Ansonsten fand ich es nett, neben Quinns Perspektive auch vereinzelt von ihrem Bruder und Arturo zu lesen.

Fazit
Die Grundidee war gut und die Geschichte hat mich insgesamt einigermaßen dabeibleiben lassen. Die Welt ist durchaus faszinierend gestaltet und ich mochte es, dass die Vampire hier einmal als gefährlich und grausam dargestellt wurden – allerdings berechtigte dieses Setting nicht zu all der völlig sinnlosen Brutalität, mit der das Buch aufwartet. Die Charaktere sind realistisch angelegt, entwickeln sich aber beinahe gar nicht weiter und ihre Handlungsweisen wiederholen sich mehrfach, ohne dass sie daraus lernen. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten konnte mich nicht überzeugen.
Insgesamt war ich die Hälfte der Zeit abgestoßen von „Vamp City“ – und trotzdem überlege ich, in den zweiten Band bei Gelegenheit hineinzulesen.

2 von 5 Buchwelten

Neugierig geworden?

Noch eine Meinung lesen?
Weitere Rezension bei: All Things Urban Fantasy (4/5 Sterne)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen