Sonntag, 8. November 2015

Der Trödelmarkt, der früher einmal "Buchladen" hieß

Hallo ihr Lieben!
Kennt ihr das auch? Ihr geht in der Stadt oder Einkaufspassage eures Vertrauens in einen dieser ominösen Läden, die vorgeben, sogenannte "Buchläden" zu sein und schaut euch misstrauisch um. Wie sie auch alle heißen: Thalia, Hugendubel, Lehmanns, usw. Sie sehen sich alle ein bisschen ähnlich.

Nun habe zumindest ich so eine - wahrscheinlich überholte, verklärte und festgefahrene - Vorstellung von einem "Buchladen": meterlange Regale über und über gefüllt mit Büchern. Hoffentlich fachmännisch nach Genre geordnet und in großer Auswahl. Hat man einen besonders gut geführten Laden erwischt, dann hat man womöglich sogar die Chance, alle Bände seiner Lieblingsreihe zur Auswahl zu haben und nicht nur den aktuellsten Band. Und wenn ein Abteilungsleiter wirklich Herzblut in sein zugeteiltes Genre steckt, dann findet man womöglich auch nicht nur die gehypten Bücher und das Neueste vom Neuesten, sondern auch ein paar ganz besondere Perlen. (Manche Leute sagen zu all dem liebevoll "Paradies".)
Das ist die Theorie.

Die Praxis sieht - wie das immer so ist - ganz anders aus. In der Regel beobachte ich in vielen (wenn auch natürlich nicht allen) Buchläden, die ich gelegentlich frequentiere, eine ganz andere Situation.
Nehmen wir beispielsweise die Jugendbuchabteilung, im Speziellen natürlich die fantastische Jugendliteratur, bei der ich dank BookTube, Bloggern und eigenem Interesse sagen kann, dass ich mich einigermaßen auskenne. 
Natürlich haben die meisten Buchläden die großen Hype-Bücher da. Die Tribute von Panem, die Edelstein-Trilogie, die Biss-Reihe (obwohl das schon weniger wird - was wohl auch die werte Autorin gemerkt hat, weswegen sie uns jetzt einen neuen Hype-Anheizer vorwirft). Die neueren Trends wären dann z.B. Jennifer L. Armentrout oder John Green. Mich als (inzwischen nicht mehr besonders großen) Fan nervt das aber eher. Ich habe sie alle gelesen: die Chroniken der Unterwelt von Cassandra Clare, Die Bestimmung von Veronica Roth und die Selection von Kiera Cass. Also muss ich nicht mit 100 verfügbaren Exemplaren pro Erfolgstitel überflutet werden. Denn die nehmen anderen - vielleicht weniger bekannten - Romanen den Platz im Regal. Und damit auch die kleine Chance, ebenfalls entdeckt, geliebt, bekannt gemacht zu werden.
Dementsprechend entdecke ich im Buchladen nur noch selten etwas Neues. Ich sehe die immergleichen Erfolgsromane, die ich kenne, statt auch einmal einen Schatz zu entdecken, der mir unbekannt war und den ich sofort mitnehme.

(c)Thalia
Und dann gibt es die größte und nervtötendste Geißel des Buchladens überhaupt: das Ramsch-Trödel-Prinzip-Problem, welches mir besonders bei Thalia auffällt und mich noch weiter vom Buchladen-Schnuppern Abstand nehmen lässt. Siehe Bild (Bitte verzeiht mir die etwas übertriebenen facebook-esquen Pfeile und Umrahmungen, ich habe mich etwas gehen lassen...).


Geht mal bewusst in einen Thalia hinein. Was begrüßt euch da? Mich begrüßen in der Filiale in meiner Nähe erst einmal Aktionstische voller Rohstoffverschwendungen: Merchandise von bedruckten Tassen bis hin zu Stofftieren, schön verpackte Schokolade und Tee, sogar Technik ist inzwischen dabei. 
Mag sein, dass dieses Konzept heutzutage funktioniert. Mich nervt es. Maßlos. Was hat dieser ganze Krimskrams in einem Buchladen zu suchen? Mir kommt da nur ein Gedanke: er nimmt den Büchern den Platz weg. Und da haben wir plötzlich den Grund dafür, dass ich in der Jugendbuchabteilung nur noch die Tribute von Panem und seine Meinstream-Kollegen finde. Für was anderes ist leider kein Platz mehr, weil nebenan das Game of Thrones- und FC Bayern München-Merchandise mit den Witzige-Sprüche-T-Shirts um die Wette konkurriert und den restlichen Raum beansprucht. 
Nein Danke. 

Und deswegen gehe ich kaum noch in Buchläden. Wenn ich etwas Bestimmtes haben will, dann kriege ich es dort in den meisten Fällen sowieso nicht, weil ich nicht mehr so viel Mainstream lese. Also bestelle ich das gewünschte Exemplar entweder beim orange-schwarzen A oder ich rufe im kleinen Buchladen um die Ecke an und bestelle es dort. Der kleine Buchladen um die Ecke, der zu keiner Kette gehört, hat zwar auch nur den Mainstream da, aber  er bekommt aus Prinzip meine Unterstützung, denn die Leute da sind nett. Sie kennen mich inzwischen und begrüßen mich mit einem Lächeln. Das reicht schon. Und ist oft mehr, als ich woanders bekomme.

Wie geht es euch? Geht ihr eure Bücher noch im Buchladen kaufen? Kennt ihr Buchläden mit einem Konzept, das euch zusagt? Nervt euch der neue "Kram-Charme" der Buchladenketten auch so? Erzählt!
Liebe Grüße, Jasmin.

Kommentare:

  1. Ich gehe tatsächlich nur noch selten in Buchläden, was bei mir aber auch daran liegt, dass ich eben zu 99% englische Bücher lese und da finde ich selbst in größeren Buchläden kaum Bücher für mich. Und selbst wenn, dann bin ich ein Geizhals und kaufe sie im Internet, weil es billiger ist.

    Das mit dem "Kram-Charme" ist mir jetzt auch schon seit Jahren aufgefallen, ich bin zwar kein Fan davon, aber wenn es die einzige Möglichkeit ist für den Buchhandel genug Gewinne einzufahren, damit der Laden nicht schließt? Wenn man damit mehr Gewinn macht als mit Büchern? Dann muss man das wohl akzeptieren, die Zeiten haben sich geändert. Und wahrscheinlich machen 95% aller Buchverkäufe nur 5% alle erschienen Bücher aus, weil wenig Bücher sehr sehr viele Exemplare verkaufen und dann wird halt mit Shades of Grey der Großteil des Geschäfts gemacht und nicht mit einem Buch eines kleinen Verlages. Ich finde es schade, aber wirklich besondere Bücher findet man wahrscheinlich nur in kleinen spezialisierten Buchhandlungen oder eben selber im Internet. Ich kann es verstehen, es geht ums Geld und mit Büchern, wo einmal im Jahr ein Exemplar verkauft wird geht es nicht mehr... Es ist schade, aber ich kann es nachvollziehen... :(

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    1. Es ist ganz klar, dass Buchläden es nicht einfach haben. Lesen war schon mal "angesagter" und durch den zunehmenden Konsum von eBooks wird es sicherlich nicht einfacher, noch Umsatz mit Printexemplaren zu machen. Also sehe ich es, wie bereits gesagt, durchaus ein, dass das Konzept funktioniert und nötig ist. Aber trotzdem denke ich, dass die Läden sich damit nicht den größten Gefallen tun. Aber es ist tatsächlich ein schwieriger Balance-Akt...

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  2. Leider hast du absolut recht. Wenn man in Thalia geht, wird man erstmal von lauter Tassen und ähnlichem begrüßt. Neulich hab ich sogar Teig in Flaschen für Kekse oder Brot dort gefunden.

    Was ich aber noch VIEL schlimmer finde, sind Buchläden die damit werben ein Buchladen zu sein und dann aber viel mehr Schreibwaren haben als Bücher. Wir haben hier ein Dorf weiter eine "Buchhandlung" die nur eine kleine Ecke voller Bücher hat, der Rest ist Schreibwaren oder andere Kram für die Schule. Als ich da das erste Mal reinging war ich sowas von enttäuscht.

    Der große Thalia in der Stadt in dem ich an meinem Geburtstag mit meiner Mutter war, der war sogar noch schlimmer. Da gabs unter anderem ein rießiges DVD Abteil, wo ich mich auch frage was das bitte in einem Buchladen zu suchen hat.

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