Dienstag, 15. September 2015

Rezension: Steelflower von Lilith Saintcrow

(c)Goodreads
Rezension
Steelflower (Steelflower Chronicles #1) 
von Lilith Saintcrow

Samhain Publishing Ltd.
ISBN: 978
1599984384
eBook mit ca. 335 Seiten
Sprache: Englisch
Genre: (High) Fantasy
Preis: ca. 4,23 €


Reihe: Steelflower Chronicles #1

1. Steelflower
2. 
Steelflower's Song (ET angekündigt für Mitte 2016)






Inhalt
Thief, assassin, sellsword—Kaia Steelflower is famous. Well, mostly famous, and mostly for the wrong reasons. She’s made a good life for herself, despite being kicked out of her homeland for having no magic. She’s saving up for her retirement, when she can settle down, run an inn, and leave the excitement for others.
Then she picks the wrong pocket, wakes up with a hangover, and gets far more than she bargained for. Now she has a huge, furry barbarian to look after, a princeling from her homeland to fend off, and an old debt to fulfill. And for some reason, the God-Emperor’s assassins want to kill her.
It’s never easy being an elvish sellsword, and this time it just might be fatal…
 

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Meine Meinung
"Steelflower" war so ganz anders als erwartet! Wo ich eigentlich Urban Fantasy erwartet habe, bekam ich einen sehr gut ausgearbeiteten High Fantasy-Roman, der mich total umgehauen hat, obwohl ich durchaus meine kleinen Problemchen damit hatte. So geflasht wie ich war, kann ich dem Buch trotz seiner Schwächen nichts geringeres als 4,5 Sterne geben!

Worldbuilding
Kaia lebt in einer Welt, in der zahlreiche Länder mit ganz verschiedenen Staats- und Gesellschaftsordnungen nebeneinander existieren. Die faszinierendste Gemeinschaft ist die der G'mai, aus der auch Kaia entstammt. Bei den G'mai bestimmen die Zwillingspaare das Bild: es geht hier nicht um geborene Zwillinge, sondern um Frau und Mann, die sich im Laufe ihrer Jugendjahre finden müssen und dann für immer zusammenbleiben. Die Frauen, die das überlegene Geschlecht darstellen, besitzen magische Kräfte und werden von ihren kampferprobten Männern beschützt. Hier hat Saintcrow eine extrem faszinierende und komplexe Konstellation erdacht, denn diese Zwillingspaare müssen keine sexuelle Bindung zueinander haben und doch ist ihre Verbindung so tief, dass sie im Falle des Todes ihres Gegenstücks ebenfalls nicht überleben können. Einige Aspekte dieser komplexen Beziehung und Magie hätte Saintcrow jedoch etwas deutlicher und ausführlicher beschreiben können, da man sich einiges aus Bruchstücken zusammendichten musste.
Auch wenn ich aufgrund der Komplexität der Welt keine Karte vor meinem inneren Auge zusammenbekommen habe, war ich vom Weltenentwurf von Anfang an total gefangen genommen. Auch hier hätte Saintcrow aber etwas klarer und mehr erklären können, damit man besser versteht, was in dieser Welt vorgeht.

Handlungs- und Spannungsbogen
So faszinierend die G'mai erscheinen, so brutal sind sie augenscheinlich auch. Denn Kaia hat keine magische Begabung und daher keinen Zwilling gefunden, obwohl jede Frau der G'mai einen solchen besitzen sollte. Deswegen ist sie bereits ihr Leben lang eine Außenseiterin; mit 16 Jahren floh sie aus ihrem Land. Nun 27, bestreitet sie seitdem ihr Leben als Assassinin und Diebin. Soweit so gut. Dass erfährt man alles beinahe nebenbei, während die Geschichte buchstäblich von der ersten Seite an vollgepackt ist mit Kampfaction und Spannung. Denn Kaia muss sich in der Einstiegsszene sofort gegen Angreifer behaupten. Die sind auf ihr letztes Diebesgut aus, bei dem sich ein bestimmter Gegenstand befindet. Durch diese Verwicklung treten erst Redfist, ein Barbar, und dann Darik, ebenfalls ein G'mai, in Kaias Leben - obwohl sie bisher eine absolute Einzelgängerin war.
Die Geschichte nimmt von da an einen Lauf, der zwar in mancher Beziehung vorhersehbar, aber doch immer spannend war, weil man Kaia in ihrer Dickköpfigkeit einfach nie gänzlich einschätzen kann und nie weiß, was sie als nächstes macht.

Charaktere
Kaia ist eine jener Heldinnen, die man entweder hasst oder liebt. Ich für meinen Teil mochte sie vom ersten Moment an. Sie ist unheimlich stark und hart, aufgrund ihres Schicksals fast schon bitter. Zugleich hat sie einen weichen Kern. Wer erst einmal hinter ihre Abwehr gelangt ist, dem ist sie loyal bis zum Ende. Und dann ist da ihre sture Ader, die in den ersten 40-50% des Buches den Verlauf der Ereignisse bestimmt. Sie übersieht hier - teils wissentlich - Hinweise, die dem Leser sehr früh enthüllen, was eigentlich Sache ist. Dies war für mich jedoch absolut nachvollziehbar, denn Saintcrow lässt Kaia eine 180-Grad-Wendung durchmachen, die einfach Zeit braucht, weil sie sonst nicht realistisch wirken würde.
Darik gefiel mir ebenso gut. Er ist nicht der typische sexy, heroische Held, der sich in den Vordergrund drängt. Er kann der stille Denker sein, aber für und um Kaia kämpft er unerbittlich. 
Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich langsam und kontinuierlich. Man sollte hier keine Insta-Love-Story erwarten - wenn man das Buch gelesen hat, weiß man, dass das gar nicht zur Geschichte passen würde. Stattdessen entwickeln sich erst einmal Vertrauen und Beschützerinstinkt zwischen den beiden. Trotzdem lässt das Ende hoffen, dass die beiden im zweiten Band leise romantische Gefühle füreinander entwickeln könnten.

Schreibstil
Dieser Erzählstil ist definitiv nichts für Anfänger! Obwohl ich gerade dieses Jahr wirklich überdurchschnittlich viel auf Englisch gelesen habe, musste ich mich in diesen Schreibstil erst einmal hineinfuchsen. Man gewöhnt sich daran, aber manchmal muss man einen Satz doch zweimal lesen. Ich kenne mich nicht gut genug aus, um zu sagen, ob Saintcrow hier nur in Abkürzungen oder einem Dialekt o. Ä. schreibt. Jedenfalls nutzt sie extrem viele Verkürzungen ("twas" statt "it was" als einfachstes Beispiel) und der Satzbau steht Kopf. Bald habe ich diese Erzählweise einfach mit Kaia assoziiert und keine großen Probleme mehr damit gehabt.

Fazit
Lilith Saintcrow hat mich mit dieser sehr ungewöhnlichen Geschichte total überrascht und begeistert. Das Worldbuilding mit der Komplexität des Volkes der G'mai ist so facettenreich und faszinierend, das hier noch viel Stoff für den nächsten Band bleibt. Spannung und Action gibt es im Überfluss, gepaart mit einer starken und sturen Heldin, die eine entscheidende Entwicklung durchmacht. Etwas eigenartig und ausgefallen, aber lesenswert!

4,5 von 5 Buchwelten

Neugierig geworden?
Mehr zu "Steelflower" auf: GoodreadsAmazon mit LeseprobeWebsite der Autorin

Anmerkung zum Buch:
"Steelflower" ist bereits 2007 erschienen und Fans der Autorin wissen vielleicht, dass sie diese Reihe aufgrund von Profiteinbrüchen wegen E-Piraterie einstellen musste. Trotzdem ist die Ankündigung des zweiten Bandes für 2016 keine Fehlinformation. Saintcrow hat sich kürzlich entschieden, der Reihe wenigstens einen zweiten Band zu widmen (eigentlich waren die Chronicles als Trilogie geplant), der die Reihe zu einem akzeptablen Ende bringen soll.

Kommentare:

  1. Hallo meine Liebe!

    Ich melde mich mal aus meinem Delirium und WAH; ich bin so dankbar für diese Empfehlung! :D Nach "Queen of Shadows" klingt das nach einem Buch, dass ich besser SOFORT lesen sollte!!! :) Ich habs jetzt auch direkt bestellt und bin schon super neugierigt! Deinen Empfehlungen kann man halt einfach blind trauen! :D
    Übrigens hab ich endlich Band 7 von Kara Gillian gelesen - war gut und bin schon gespannt wie es weitergeht!! :)

    Allerliebste Grüße!
    Nazurka

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    1. Mensch, dich gibt es auch noch?! *lach* Von dir hab ich ja schon ewig nichts mehr gehört - wird Zeit, dass du uns mal wieder ordentlich mit Rezensionen und Updates versorgst! Wie laufen die Prüfungen? Hast du es geschafft oder steht noch was an?

      Das Buch ist mit QoS nicht so richtig zu vergleichen, beide waren auf ganz verschiedene Weise tolle High Fantasy. Ich hoffe sehr, dass Steelflower dir so gut gefällt wie mir, aber versprechen kann ich es nicht. Saintcrow ist schon eine sehr spezielle Autorin, die man mögen muss *lach*.

      Ich weiß nicht, ob du es mitbekommen hast: ich habe bei Kara Gillian im Juli Band 2 gelesen und der hat mich leider wieder nicht so richtig umgehauen. Jetzt mache ich erstmal Pause, aber irgendwann linse ich in Band 3 nochmal rein, denn vielleicht funktioniert die Reihe für mich auf Englisch besser. Aber wenn der mich wieder nicht begeistert, dann werde ich danach wohl abbrechen, so leid es mir tut...

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