Donnerstag, 10. September 2015

Rezension: Das Mädchen mit den Augen aus Gold von Tina Videkiss

(c)Goodreads
Rezension 
Das Mädchen mit den Augen aus Gold 
von Tina Videkiss

ePubli Gmbh
ASIN: B010KZ45Z0
eBook mit ca. 266 Seiten
Sprache: Deutsch
Genre: High Fantasy
Preis: 2,99 €


Reihe: Einzelband








Inhalt
Etwas Dunkles regt sich in Hyra, dem Land der Vier Königreiche. Durch ein Zufall entdeckt das Waldmädchen Felis genau das, wonach das Böse am meisten trachtet: Ein Buch, das den Weg zu einem verborgenen Königreich im Himmel beschreibt. Mit Salem, einem Schwarzen Soldaten aus dem Rabenkloster, macht sie sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Reich über den Wolken. Doch etwas Böses ist den beiden dicht auf den Fersen und ein Wettlauf auf Leben und Tod beginnt. Wird es Felis schaffen einen Weg aus der Dunkelheit zu finden? Oder werden sich die Schatten des Südens ausbreiten und Hyra endgültig verschlingen?
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Meine Meinung
Wenn man mich fragen würde, welchem Genre ich dieses Buch zuordnen würde, dann lautete meine Antwort wahrscheinlich: Märchen. Das ganze Setting und die Erlebnisse erinnerten mich von der Atmosphäre her oft an Märchenelemente, sodass ich völlig fasziniert war. Ich werde wohl das Wort "Märchen" in dieser Rezension überstrapazieren, weil mir nichts Adäquateres einfällt.

Weltentwurf
Obwohl wir es hier mit einer Indie-Autorin zu tun haben, erwartet den Leser vorne im Band gleich eine Karte eines erdachten Landes, wie man sie aus der High Fantasy kennt - hier ein großes Kompliment für die Mühe, mit der dieser Debütroman gestaltet ist. Tina Videkiss hat ein völlig neues kleines Land erdacht: Hyra. Regiert wird es durch vier Stadtkönigreiche, je eines herrscht über Süden, Osten, Westen und Norden. Die Autorin schafft es durch eine einführende Anekdote über die Entstehung dieser Königreiche, dass man sich das Land sofort klar vorstellen kann. Als Felis' Geschichte im Anschluss beginnt, ist man mit dem Setting bereits vertraut und kann gut in die eigentlichen Geschehnisse einsteigen. 

Spannung und Handlung
Der ganzen Geschichte haftet, wie schon gesagt, etwas Märchenhaftes an. Darum kommt es meiner Meinung nach sehr auf den persönlichen Geschmack an, ob man diesem Buch etwas abgewinnen kann. Die Geschehnisse werden immer so aneinandergereiht, dass genau das passiert, was es gerade braucht, um die Handlung in Gang zu halten. Dadurch läuft die Geschichte sehr flüssig und auch mit einer gewissen Spannung - die aber keinen treibenden Rhythmus hat, sondern atmosphärisch dahingleitet, wie man es aus Märchen kennt. Allzu unerwartete Wendungen ereilten mich beim Lesen deshalb nicht.

Charaktere
Felis gefiel mir als Protagonistin, ich konnte mich sehr gut mit ihr identifizieren. Kurioserweise habe ich im ganzen Roman nie erfahren, wie alt sie ist - entweder steht es nicht drin oder ich habe es überlesen. Das hat mir geholfen, denn obwohl wir es hier mit Young Adult zu tun haben, war Felis in meinem Kopf etwa 19 oder 20 Jahre alt und nicht so jung, wie viele andere Jugendbuchheldinnen. Ich fühlte mich mit ihr sozusagen auf Augenhöhe. Felis besitzt einen irgendwie (ihr ahnt es: märchenhaft) verklärten Mut, der mich fasziniert hat. Sie hat selten die Geschehnisse in Frage gestellt, als wären sie gewissermaßen Schicksal, obwohl die Autorin auch dunklere, tiefgründigere Töne anschlägt. Felis kämpft während ihres Abenteuers immer wieder mit Angst und Zweifeln, die sie zu akzeptieren und zu überwinden lernen muss.
Salem macht sich als dunkler Prinz unseres Märchens sehr gut. Er ist der zurückgezogene aber aufmerksame Begleiter an Felis' Seite, der ihr hilft und Mut macht. Darüber hinaus hätte ich mir vielleicht einige Kapitel aus seiner Perspektive gewünscht, um auch in sein Innenleben einen tieferen Blick werfen zu können. Stattdessen beginnt Videkiss ab der Hälfte, aus Josuas Sicht zu erzählen. Ihn kennt man bis dahin nur indirekt, weshalb ich seine Perspektive zwar gerne gelesen habe, die Einschübe aber z. T. nur als Filler empfunden habe, was etwas schade war.

Fazit
"Das Mädchen mit den Augen aus Gold" ist in vielerlei Hinsicht einem Märchen sehr ähnlich: ein fantasievoller und überzeugender Weltenentwurf mit einer gut durchdachten Handlung, die in einem angenehmen Fluss ist (zu dem der Schreibstil perfekt beiträgt), ohne jedoch mit unerwarteten Plot Twists etc. bemerkenswerte Spannungspitzen zu bieten. Wer Lust auf ein fantastisches Märchen hat, das für einige Stunden in seine ganz eigene Welt entführt, der sollte hier einen genaueren Blick wagen.

4 von 5 Buchwelten

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Noch eine Meinung lesen?
Weitere Rezension bei: Katja's Bücherwelt (5/5 Sterne)

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