Montag, 3. August 2015

[Rezension] Séance: Die erste Synergie von Julia Mayer

(c)Goodreads
Rezension
Séance: Die erste Synergie von Julia Mayer

neobooks
ASIN: B012VT156U
eBook mit ca. 332 Seiten
Sprache: Deutsch
Genre: Dark Fantasy
Preis: 2,99 €


Reihe: Synergie #1
1. Séance: Die erste Synergie
2. Medium: Die zweite Synergie (ET geplant für 2016)
3. Trance: Die dritte Synergie (noch kein ET bekannt)






Inhalt
Unter den Katakomben von Dresden - zu Füßen der Menschen - erstreckt sich eine Stadt, in der die Magie regiert. Hier leben die Magos, die ihre Kraft aus der Dunkelheit schöpfen. DresdenX war das Zuhause von Alexej, dem er vor langer Zeit den Rücken gekehrt hat. Doch nun muss er in die Unterstadt zurückkehren, um das Vermächtnis seiner Großmutter zu erfüllen. Weshalb hat sie ausgerechnet ihn - einen Mann - zum Nachfolger für das hohe Amt des Gamma bestimmt, das seit Jahrhunderten nur Frauen vorbehalten war? Und was hat es mit der Verbannung seines besten Freundes auf sich?
Alexej steht die größte Aufgabe seines Lebens bevor: Er muss das Dunkel besiegen und den Hexen, die ihn in ihre Fänge locken wollen, widerstehen.

Meine Meinung
"Séance" bewegt sich von der angesprochenen Altersgruppe her irgendwo im New Adult-Bereich, was mich sehr angesprochen hat. Es ist definitiv kein richtiges Jugendbuch, da die Thematik sehr düster daherkommt. Gleichzeitig ist der Protagonist jedoch selbst noch recht jung, wodurch es auch keine reine Erwachsenenliteratur ist. Die Autorin hat also eine gute Mischung gefunden, um Leser verschiedenen Alters anzusprechen.

Weltenentwurf
Julia Mayer siedelt ihre Welt hier in Deutschland, genauer genommen in Dresden an, baut dabei aber trotz allem eher eine Parallelwelt zu unserer Realität auf. Denn sie versetzt ihre Figuren in die Unterstadt DresdenX, die direkt unterhalb von Dresden in der Erde liegt. 
Ich konnte kaum fassen, wie atmosphärisch es mir vorkam, als die Hauptfigur Alexej tatsächlich den Zwinger betritt und über eine geheime Passage die Unterstadt betritt. Ich selbst kenne Dresden sehr gut, da ich in Sachsen wohne, und hatte eine echtes Bild von Alexejs Reise vor mir.
DresdenX (sowie eine Anzahl weiterer Unterstädte wie Londown unter London) wird von den Magos bewohnt, einem Volk von Menschen, die über Magie gebieten können. Doch auch ihre Gesellschaft ist nicht perfekt: die Alphas herrschen als obere Kaste über die untergebenen Betas. Außerdem stellt die Autorin ein interessantes Gedankenexperiment an, indem sie im Volk der Magos die Frauen zum überlegenen Geschlecht macht, weil sie über stärkere Magie verfügen können. Geschickt zeigt sie daran im Laufe der Geschichte, dass es nie gut sein kann, wenn sich ein Geschlecht über das Andere erhebt.
Der Weltenentwurf kam gut durchdacht und dicht daher, obwohl Mayer einige Details erst im weiteren Verlauf der Handlung genau erklärt und ich noch immer einige Fragen im Kopf habe. Obwohl DresdenX in meiner Vorstellung stets etwas Düsteres, Tristes an sich hatte, war ich vom Setting von Anfang an fasziniert.

Spannung und Handlungsverlauf
So sehr begeistern wie das Worldbuilding konnte mich das Buch spannungstechnisch anfangs nicht. Die ersten 40 bis 45 Prozent der Geschichte plätschern leider eher dahin - es geschehen immer wieder einige spannende Szenen, dazwischen liegen aber Durststrecken. Dazu kommt, dass die Synopsis die erste große Entwicklung bereits vorwegnimmt. In diesem Teil der Geschichte hadert Alexej mit seiner neuen Rolle als Gamma und muss sich in seine Position einfinden. Während dieser ersten Hälfte bekam ich kein rechtes "Ziel" für die Geschichte zu fassen, auf die das Buch hinauslaufen sollte. Und dann kam der große Knall. Plötzlich geschieht ein Ding nach dem nächsten und ich hatte kaum noch Zeit, Luft zu holen. Endlich richtete Alexej seine Bemühungen auf ein konkretes Ziel und die Geschichte nimmt Tempo und Spannung auf.

Figuren
Alexej an sich empfand ich von Anfang an als sehr komplexe Figur. Er hat weder in der Menschenwelt noch in der der Magos einen Platz und ein zu Hause gefunden und ringt deshalb mit seiner Identität. Im Verlauf des Buches macht er eine echte Wandlung durch und gewinnt an Selbstvertrauen hinzu.
In der ersten Hälfte des Buches mangelt es deshalb aber leider an Beziehungsstrukturen. Außer Hass für seine Mutter und Schwestern, später für seine Lehrerin, hat er kaum Verbindungen zu anderen Menschen. Die so zu stark auf ihn fokussierte Handlung konnte mich noch nicht mitnehmen, ließ mich auf emotionaler Ebene eher kalt.
Wieder ist nach der Hälfte dann aber der Knackpunkt erreicht: Alexej hat Freunde gefunden, denen er vertrauen kann; sogar eine sanfte Romanze entspinnt sich, deren Entwicklung mich überrascht und erfreut hat. Mit diesen Interaktionen kommt etwas Liebe in die sonst so düstere Atmosphäre und ich begann, richtig mit den Figuren mitzuleiden. 

Schreibstil
Ein Manko war für mich leider der Erzählstil. Mit der Kombination aus personalem Er-Erzähler und der gewählten Tempusform des Präsenz kam ich bis zum Schluss eher schlecht zurecht, da er dazu führte, dass ich immer eine leichte Distanz zum Geschehen spürte. Hätte Mayer Alexej aus der Ich-Perspektive sprechen lassen, hätte mir der Schreibstil vermutlich besser gefallen.
Die Autorin weiß sich auszudrücken, sie bringt sehr poetische Metaphern und Vergleiche in ihre Erzählung ein und schreibt angenehm flüssig. Manchmal hätte ich mir allerdings das eine oder andere rhetorische Mittel weniger gewünscht. Es wirkte z. T. überfrachtet, die einfachsten Handlungen durch kunstvolle Metaphern pompös auszuschmücken.

Fazit
Für mich gab es einen unglaublichen Unterschied zwischen erster und zweiter Hälfte des Romans. Wo der erste Teil noch etwas unausgegoren, wenig spannend, kaum abwechslungsreich wirkte, blüht die Geschichte nach der Hälfte plötzlich auf und überzeugt mit sich entwickelnden Beziehungsstrukturen und steigender Spannung. Ich bin mir sicher, dass der gut durchdachte Weltenentwurf noch lange nicht ausgeschöpft ist und für viele Überraschungen in den nächsten Bänden sorgen wird. Hoffentlich wird Band 2 von Anfang an so stark, wie es die zweite Hälfte von "Séance" war - dann sind in der Bewertung vier Sterne und mehr durchaus denkbar.
Jetzt bleibt mir nur noch eine Beschwerde: Wer hat sich denn diesen derart miesen Cliffhanger ausgedacht, der einen förmlich nach der Fortsetzung schreien lässt?!

3 von 5 Buchwelten

Neugierig geworden?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen