Mittwoch, 7. März 2012

Rezension „Dark Love“ (Lia Habel)


Dark Love von Lia Habel

Inhalt:
Im Jahre 2195 ist die Welt eine andere, denn Naturkatastrophen und Kriege ließen einen Teil der Erde unbewohnbar werden. Die Nordamerikaner bauten sich weiter im Süden eine neue Zivilisation auf: Neoviktoria – die Ordnung ist dem viktorianischen Zeitalter Englands mit seinen vornehmen Benimmregeln und Standesschranken nachempfunden, bewahrt aber technische Errungenschaften.
Als Nora Dearly für die Weihnachtsferien aus ihrem Internat wieder nach Hause kommt, trifft sie auf einen seltsamen Fremden, der sie überreden will, mit ihr zu kommen, da sie angeblich in großer Gefahr schwebt. Er spricht davon, im Auftrag ihres Vaters zu handeln und Nora ist froh, ihm zu entkommen, denn er muss verrückt sein – denn ihr Vater ist doch seit mehr als einem Jahr tot und seitdem ist Nora Vollwaise.
Eines Abends packt sie das reine Grauen, als seltsame verstümmelte Menschen in ihr Haus eindringen und vermummte Männer sie schließlich gefangen nehmen.
Nora erwacht im Armeestützpunkt der Kompanie Z und muss sich plötzlich einer neuen Wirklichkeit stellen: es gibt Zombies und ihr Vater soll angeblich einer von ihnen sein. Und ihr Blut ist der Schlüssel zum Impfstoff gegen den Virus, der die Menschen zu Zombies macht. Und trotz allem verbindet sie schon bald etwas ganz besonderes zu Bram, einem der Zombies…

Meinung:
„Dark Love“ befasst sich mit einer bisher eher wenig thematisierten Fantasiegestalt: dem Zombie – und trifft damit genau meinen Geschmack. Es mag zwar unmöglich scheinen, doch Lia Habel hat es geschafft, eine wundervolle Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen und einem Zombie zu erschaffen.

Die Geschichte beginnt in einem eher ruhigen Tempo, denn die komplexe Welt, die Lia Habel aufbaut, muss man erst einmal ein wenig überblicken, um den Einstieg in die Geschichte zu finden.
Durch die Hauptfigur Nora erfährt man anfangs einiges über die Entstehung Neoviktorias und den Lauf der Weltgeschichte bis ins Jahr 2195. Danach erfährt man einiges über ihr Umfeld und erst danach – etwa 70 Seiten später – kommt die Handlung in Fahrt, als Nora sich den Eindringlingen stellen muss und trotzdem entführt wird.
Auch anschließend lebt die Geschichte eher von den zahlreichen Neuheiten, die Nora verkraften muss und nimmt erst dann wieder Fahrt auf, als es aufs Ende zugeht. Das kann ich allerdings nicht als negativ bewerten, da mich Noras Welt so fasziniert hat, dass ich gar keine rasante Ereigniskette brauchte, um an den Seiten zu kleben.

Die Hauptfigur Nora hat mir daher auch sehr gut gefallen. Trotz der Schicksalsschläge ihrer Vergangenheit und den Neuigkeiten, die sie nun verkraften muss, schlägt sie sich wirklich tapfer. Sie ist keines dieser schüchternen Mädchen, die sich nicht durchsetzen und zu jeder Aktion erst ewig ermuntert werden müssen – sie ist tough, kann sogar mit Waffen umgehen und mutig noch dazu. Ähnlich verhält es sich auch mit ihrer Freundin Pamela, aus deren Sicht eine Katastrophe erzählt wird, die sich nach Noras Entführung in ihrer Heimat abspielt. Auch Pam tritt mutig und selbstbewusst auf und rettet schließlich ihre Familie.
Insgesamt ist das aber schon etwas unglaubwürdig. Die Geschichte spielt in einer strikten Gesellschaftsform mit unüberwindbaren Standesschranken, in der Frauen generell nur als folgsame Marionetten der Männer angesehen werden und keinerlei Freiheiten besitzen - und dann werden ausgerechnet diese zwei jungen Damen zu den großen Rebellinnen? Komischer Zufall, denn die anderen Frauen/Einwohner lehnen sich doch nicht im Geringsten auf…
Ebenfalls etwas ungläubig machte mich die Gesellschaft selbst – Faszination hin oder her. Da sucht man sich ein fast mittelalterliches Zeitalter zum Vorbild und haut moderne Technik dazu. Heraus kommen elektrische Kutschen, vornehme Sonnenschirmchen mit Lichtern, deren Farbe den Stand der Dame anzeigen und holografische Fernseher in altmodisch-romantischen Zimmern voller Schnickschnack. Manchmal musste ich bei der bildlichen Vorstellung fast lachen… Solch einen gesellschaftlichen Rückschritt mit technischen Entwicklungen zu kombinieren, die selbst für uns noch Wunschdenken sind – das hat in meinen Augen nicht so ganz überzeugend funktioniert.

Die Beziehung zwischen Nora und Bram wird derweil sehr liebevoll entwickelt, es gibt keinen plötzlichen Moment, indem beide sich dann sofort lieben, oder irgendeine schnulzige Liebe auf den ersten Blick: langsam gewinnt Bram Noras Vertrauen und schließlich auch ihre Liebe.

Ebenfalls sehr gut gelöst war das Komplott, der um Nora und die Armee der Zombies gestrickt wurde, denn der nahm Gestalten an, die man sich bis zu deren Aufdeckung kaum vorstellen konnte. Nora und Bram müssen viel Mut beweisen, um sich und ihre Mitstreiter zu retten und belohnt wird der Leser dann mit einem Happy End für die beiden, dass aber noch lange nicht komplett ist – denn Lia Habel hat trotzdem noch genug Konflikte für ihren Folgeband „Dearly, Beloved“ geschaffen, den ich gerne schon morgen lesen würde, um zu wissen, wie es mit Nora und Bram weitergeht.

Fazit:
„Dark Love“ konnte mich mit der ungewöhnlichen Liebesgeschichte zwischen dem Zombie Bram und Nora sehr berühren und fesseln und die Welt, in der die Geschichte sich abspielt, hat mich fasziniert – doch ganz überzeugen konnte sie mich trotz allem nicht. Trotzdem kann ich das Buch jedem empfehlen, der mal etwas völlig anderes in Sachen Fantasy lesen will!

 4 von 5 Buchwelten.
Buchinformationen:
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Piper (November 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492702198
ISBN-13: 978-3492702195
Originaltitel: Dearly, Departed
Preis: 15,99 €
Reihe: Teil 1 von bisher 2 der Zombie-Reihe
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Zur Autorin:
Lia Habel wurde in einer kleinen Stadt im Westen des Bundesstaates New York geboren. Sie trinkt viel zu viel Kaffee und besitzt drei Katzen, denen sie in ihrem Debüt ein Denkmal setzt. Die Idee zu »Dark Love« hatte Lia während einer Busfahrt nach New York, als ihr der Lesestoff ausging und sie sich fragte, warum die Monster in Büchern immer gut aussehen und warum sie noch nie eine Liebesgeschichte mit Untoten gelesen hatte. Weiteres zur Autorin: www.liahabel.com

Kommentare:

  1. Hallo,

    vor Kurzem habe ich das Buch ebenfalls rezensiert und stelle fest, dass unser beider Einschätzungen im Großen und Ganzen übereinstimmen, und die Gesamtbewertungen 4 von 5 sind absolut gleich. :)

    Der nächste Teil handelt von Pamela. Bis die Übersetzung erscheint, wird wohl noch ein Weilchen ins Land gehen, fürchte ich.

    LG Sylvia

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  2. Ich versteh gar nicht, warum alle immer auf dem Gegensatz von Technik und viktorianischem Zeitalter rumreiten. D: Oder gefühlt. Nicht bös gemeint. ;-)
    Wenn ich mir so "klassisches Steampunk" vorstelle, denke ich immer an etwas... ähm, altertümliche Sturkturen, aber eben auch "Technik" im weitesten Sinn. Also durchaus auch moderner. So extrem viel Technik haben sie ja auch nicht...
    Ich kann den Punkt durchaus nachvollziehen, dass es sich in Ansätzen widerspricht. Aber ich finde diese Wendung eher... natürlich. Die Leute sehnen sich nach einem Zusammenbruch nach Stabilität, die es - finde ich - in unserer Gesellschaft nicht so gibt wie es im viktorianischen Zeitalter der Fall war. Dass sie auf "nützliche" Technik nicht verzichten wollen oder können (nicht jeder hat ja in New London dazu uneingeschränkten Zugang), finde ich deshalb auch durchaus nachvollziehbar. Dass sich diese dann über die Jahre entwickelt - ich glaube, das ist verständlich.

    Den Punkt mit Nora und Pam - ja, stimmt. Im Nachhinein schon komisch, vor allem bei Pam. Nora war ja eh immer etwas... anders. Wobei ich Nora auch nicht als sooo große Rebellin empfand. ;-)

    Wie gesagt, soll keine Kritik sein, aber vielleicht kannst du mich erleuchten. :D

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  3. Nach Deiner Rezi bin ich nun noch viel neugieriger auf das Buch. Gut, daß es schon auf meinem SUB liegt.

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