Montag, 19. September 2011

Rezension "Zweilicht" (Nina Blazon)


Zweilicht von Nina Blazon

Die ersten Worte:
„Und er atmet wirklich?“, fragte Mo.
„Wäre ziemlich seltsam, wenn nicht“, antwortete Night trocken. „Schlafende Menschen atmen für gewöhnlich. Auch wenn man es bei dem da kaum sieht.“

Inhalt:
Endlich macht Jay sein langersehntes Auslandsjahr in New York, wo sein Vater lange Zeit gelebt hat, nachdem er Jays Mutter Charlie während der Schwangerschaft sitzen gelassen hat.
Trotzdem bedeutet sein Vater Jay sehr viel – auch wenn er inzwischen schon tot ist.
In New York wohnt Jay bei seinem Onkel Matt und in der Schule lernt er das Mädchen mit den Indianeraugen Madison kennen, in die er sich verliebt.
Doch es verfolgt ihn das Mädchen Ivy, welches immer wieder aus dem Nichts auftaucht und genauso schnell wieder verschwindet. Sie versucht Jay vor Madison zu warnen. Doch Jay hat beim besten Willen keine Ahnung, was an der sensiblen, geheimnisvollen Madison gefährlich sein soll.
Zu Anfang hält er das Schattenmädchen für die echte Gefahr, doch bald schon merkt er, dass seine Welt eine Lüge ist und beginnt zu erkennen, vor wem er sich wirklich in Acht nehmen sollte.

Meinung:
Von Nina Blazon erwarte ich mir spätestens seit „Ascheherz“ eine geheimnisvolle Story mit interessantem Setting, wo nichts ist, wie es Anfangs scheint.
Und das habe ich mit „Zweilicht“ auch einmal mehr bekommen. Zwar einen Tick weniger gut, als „Ascheherz“, aber trotz allem bis zum Schluss ein Leseabenteuer.

Wie es für mich bei Blazons Büchern immer ist, dauert es eine Weile, bis die Spannung zum Nägel kauen verleitet, da sie sich Zeit nimmt, ihre Welt und Charaktere einzuführen und immer eine Art Vorgeschichte vor die eigentlichen Geschehnisse setzt, so ähnlich wie es mir bei „Ascheherz“ auch schon erschien.
Als Jay allerdings erkennt, dass sein New York so gar nicht das ist, für was er es wochelang gehalten hat, da wird es spannend. Plötzlich findet man sich in einer ganz neuen Welt wieder, die durchaus dystopische Züge hat und den Leser in eine nicht so ganz unmögliche Zukunft entführt. Auch dadurch, dass er lange Zeit nicht weiß, wer und was Madison und Ivy sind, wird die Spannung erhöht, da man immer glaubt, man wisse, was los ist und dann kommt doch etwas ganz Ungeahntes ans Tageslicht.
Dadurch wird allerdings auch Verwirrung gestiftet und manchmal muss man auch dranbleiben, weil die Verwicklungen nicht unmittelbar aufgeklärt werden. Da aber am Ende doch alle Puzzleteile an ihren Platz rutschen, stellte das für mich keinen großen Minuspunkt dar.

Jay hat mir als Hauptfigur sehr gut gefallen. Trotz allem, was er durchmacht, bleibt er sich selbst von Anfang bis Ende treu und verliert die Hoffnung und den Mut nicht. Und vor allem glaubt er sowohl an Madison als auch an Ivy; und dadurch ist diese Geschichte keine, in der Leute in Schubladen einsortiert werden. Bis auf Einen gibt es keine deutliche Abgrenzung zwischen Gut und Böse.
Madison und Ivy allerdings blieben mir ein klitzekleines bisschen zu blass. Sicherlich ging das nicht anders, da Blazon zwecks des Spannungsaufbaus der Handlung nicht zu viel über sie enthüllen konnte. Trotzdem hätte ich über sie, ihre Vergangenheit und generell die Welt, wie sie ist, noch etwas mehr erfahren wollen.

Blazons Welt dagegen hat mich wieder mal vollkommen in ihren Bann gezogen. Wie immer sehr vielschichtig und kreativ – einfach überraschend auf ganzer Linie. Spekulationen gehen bei diesem Buch wirklich zum größten Teil ins Leere.
Der Schreibstil war wie immer flüssig und hat einen sofort in Blazons Welt entführt und diese durch ein gutes Maß an Beschreibungen sehr bunt und lebhaft ausgestaltet.

Fazit:
Trotz einiger Verwirrung und teilweise leicht schwachen Nebencharakteren hat mich Nina Blazon in „Zweilicht“ wieder für ihre Geschichte begeistern können. Die spannende, dystopisch angehauchte Welt und ein toller Hauptprotagonist machen das Buch zu einem Leseabenteuer, das ich guten Gewissens empfehlen kann.
 4 von 5 Buchwelten.
 Buchinformationen:
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: cbt (29. August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 357016117X
ISBN-13: 978-3570161173
Preis: 18,99 €
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Mehr von Nina Blazon (eigenständige Geschichten):
Zur Autorin:
Nina Blazon, geboren 1969 in Koper bei Triest, aufgewachsen in Neu-Ulm, las schon als Jugendliche mit Begeisterung Fantasy-Literatur. Selbst zu schreiben begann sie während ihres Germanistik-Studiums – Theaterstücke und Kurzgeschichten – bevor sie den Fantasy-Jugendroman 'Im Bann des Fluchträgers' schrieb, der 2003 mit dem 'Wolfgang-Hohlbein-Preis' und 2004 mit dem 'Deutschen Phantastik-Preis' ausgezeichnet wurde. Seither haben Nina Blazons Bücher zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Die erfolgreiche Jugendbuchautorin lebt in Stuttgart.
Mehr auf Nina Blazons Website: www.ninablazon.de

Kommentare:

  1. hmm du fandst das buch wohl etwas besser als ich XD ich fand es iwie ganz schön lasch für einen blazon :(( hoff auf das nächste werk ^^
    schöne rezi!!

    lg july

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  2. Klar, es hat mich nicht ganz so gefangen genommen wie Ascheherz oder gar Faunblut, aber ich fand es trotzdem gut.
    Was mich von Blazon bisher wirklich enttäuscht hat, war Totenbraut. Ich weiß nicht, ob du das kennst, aber ich fand es grausam langweilig.

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