Donnerstag, 8. September 2011

Rezension "Speak" (Laurie Halse Anderson)

Speak von Laurie Halse Anderson

Die ersten Worte:
It is my first morning of high school. I have seven new notebooks, a skirt I hate, and a stomachache.
The school bus wheezes to my corner.

Inhalt:
Melinda Sordino war ein ganz normales Mädchen mit Freunden, Familie und Träumen. Aber seit der Party ist alles anders. Die hat sie platzen lassen, indem sie die Polizei gerufen hat. Doch warum, dass ist ihr Geheimnis: einer der älteren Schüler hat sie vergewaltigt und seitdem spricht sie kaum noch ein Wort.
Aus dem Traum von der High School wird ein Alptraum, denn Melindas Freunde wenden sich von ihr ab, ihre beste Freundin Rachel hasst sie und keiner redet freiwillig mit ihr. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres ist sie der meistgehasste Außenseiter der Schule.
Auch in ihrer Familie geht alles den Bach herunter, denn ihre Eltern streiten sich immer öfter und halten sie wahrscheinlich für eine Enttäuschung in allen Kategorien.
Mit Melindas Noten geht es auch Berg ab, denn sie kann sich nicht aufraffen, etwas für die Schule zu tun.
Nur ihr Kunstlehrer Mr. Freeman scheint sie zu verstehen und hilft ihr, sich durch ihr Kunstprojekt selbst wieder zu finden.

Meinung:
„Speak“ beschäftigt sich mit den Problemen, die im Teenagerleben auf einen zukommen können: die Familie lebt sich auseinander, angebliche Freunde entpuppen sich als Heuchler und zwischen all den Problemen erscheinen einem schlechte Noten noch als kleinstes Übel. Doch was die Thematik erst so wahnsinnig ernst macht, ist der sexuelle Missbrauch Melinda’s.

Aus der Ich-Perspektive schildert Melinda ab ihrem ersten High School-Schultag, wie es ihr ergeht. Ganz alltägliche Dinge wie Pausen oder das Essen in der Cafeteria werden für Melinda zu einer einzigen Tortour. Was als eine High School-Geschichte unter vielen anmutet, ist in Wahrheit eine todernste Geschichte, die trotz allem jugendgerecht erzählt ist.

Melinda erscheint trotz allem als starker Charakter. Sie leidet zwar sehr unter ihren Problemen und redet kaum noch mit anderen, ertränkt sich aber nicht im Selbstmitleid. Man erfährt durch sie sehr realistisch, welche Gefühle und Gedanken einen umtreiben, nachdem eine so schreckliche Tat an einem verübt wurde. Und trotzdem ist die Geschichte deshalb nicht deprimierend, da Melinda all das mit einer gewissen ironischen und humorvollen Art schildert, die einem trotz allem sogar manchmal ein Schmunzeln abgewinnt.

Daneben werden aber auch Themen wie Gruppenzwang oder Zugehörogkeit thematisiert, denn an Melinda’s High School geht nicht darüber, zu einem der „Clans“ zu gehören, von denen es vom Streber über den „leidenenden Schauspieler“ bis zu den spießigen Wohltäterinnen wohl alles gibt. Und trotzdem ist es beinahe unmöglich, sich ihnen nachträglich anzuschließen, was an Melinda’s Mitschülerin Heather klar wird.
Auch innerhalb der Familie werden derlei Probleme angesprochen, denn Melinda öffnet sich ihren Eltern nicht, die ihrerseits zwar versuchen, auf sie einzugehen, dies aber definitiv mit den falschen Mitteln tun.

Die Nebencharaktere bleiben allerdings eher schwach, da der Fokus (auch durch die Ich-Perspektive) eindeutig und vordergründig auf Melinda liegt. Man lernt so zwar einiges über die Nebencharaktere, aber wirklich Tiefgang bekommen nur wenige von ihnen.
Selbst Mr. Freeman, der Melinda schlussendlich hilft, gegen ihre Probleme anzukämpfen, blieb mir etwas zu flach, obwohl er doch eine Schlüsselrolle innehatte und somit das hoffnungsvolle Ende herbeigeführt hat, auf das man von Anfang an für Melinda hofft.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, vor allem die ironische Seite ihrer Erzählweise macht die Geschichte trotz allem Ernst lesenswert.
Die Ausgabe des Buches aus der Cornelsen Senior English Library kann ich außerdem allen weniger Englischkundigen nur empfehlen, denn sie beinhaltet viele Anmerkungen mit Vokabularhilfen, die ich für meinen Teil zwar nicht brauchte, die aber für andere sicherlich sehr hilfreich sind, um die Geschichte zu verstehen. Für Einsteiger im englisch lesen ist das Buch also sicherlich nicht schlecht.

Fazit:
Eine ernste Geschichte über sexuellen Missbrauch und seine Folgen für junge Mädchen, die aber mit der ironischen Art der Protagonistin nicht depressiv macht, sondern einem den Ernst einer solchen Lage vor Augen führt und dabei sogar einen positiven Ausgang bietet, der Hoffnung macht.

 4 von 5 Buchwelten.
Buchinformationen:
Taschenbuch: 200 Seiten
Verlag: Cornelsen Verlag (Februar 2010)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 3060311277
ISBN-13: 978-3060311279
Preis: 8,75 €
Kaufen bei amazon.de oder thalia.de
Auch auf Deutsch erhältlich bei amazon.de oder thalia.de 

Zur Autorin:
Laurie Halse Anderson, geboren 1961 in Potsdam, lebt in New York. Sie studierte Sprachen und Sprachwissenschaft und war eine erfolgreiche Journalistin, bevor sie beschloss, halbtags als Buchhändlerin zu arbeiten, um genügend Zeit für ihr literarisches Schreiben zu haben.

Kommentare:

  1. Hallo! Großes Lob an deinen tollen Blog. Ich bin jetzt regelmäßiger Leser deines Blogs und würde mich sehr freuen, wenn auch du meinen Blog besuchen würdest und wenn er dir gefällt, regelmäßiger Leser werden würdest.

    LG Chrisy

    Hier der Link zu meinem Blog: http://rozasleselieblinge.blogspot.com/

    AntwortenLöschen
  2. Dankeschön. Ich hab mich bei dir auch gleich mal umgesehen ;).

    AntwortenLöschen