Samstag, 23. Juli 2011

Rezension "Ascheherz" (Nina Blazon)

Ascheherz von Nina Blazon

Die ersten Worte:
In den Nächten, die dem Blutmann gehörten, wagte Summer kein zweites Mal einzuschlafen. Je mehr sie sich fürchtete, desto öfter suchte er sie heim. Nie sah sie sein Gesicht, nur seine Hände nahm sie wahr.

Inhalt:
Summer hat viele Gesichter. Ständig auf der Flucht und ohne Erinnerungen an ihr Leben flüchtet sie sich immer wieder unter den Schutzmantel neuer Identitäten, um dem Blutmann zu entkommen, der sie verfolgt. Ständig träumt sie von seinen behandschuhten, blutbefleckten Händen, die ein Schwert in der Hand halten und spürt unglaubliche Angst.
In der Stadt Maymara ist sie nun als Schauspielerin untergetaucht und fühlt sich endlich wenigstens ein kleinwenig zugehörig, da sie ihre Schauspieltruppe lieb gewonnen hat. Doch der Blutmann rückt in ihren Träumen immer näher und Summer ahnt, dass sie bald erneut verschwinden muss. Und tatsächlich greift er sie schon bald an. Auf ihrer Flucht trifft sie auf Anzej, einen Fremden, der ihr sofort zur Hilfe kommt.
Zusammen flüchten sie, doch Anzej hat Geheimnisse vor Summer. Obwohl sich Summer bei ihm geborgen und zu Hause fühlt, merkt sie doch, dass er ein falsches Spiel zu treiben scheint…
Und wer ist Lady Tod, die Summer in ihren Träumen sieht und die ihr befiehlt, ihre Aufgabe zu erfüllen?
Ihre Flucht führt Summer nach Nordland, wo sie ihrer Vergangenheit endlich näher kommt: sie erfährt, dass sie eine Zorya ist, die durch einen Kuss den Tod bringt.

Meinung:
In „Ascheherz“ entführt Nina Blazon erneut in die Welt von „Faunblut“, zeigt aber diesmal andere Teile dieser Welt mit neuen Fantasiegeschöpfen.

Die Zorya sind Todesbringer, die die Menschen durch einen Kuss vom Leben erlösen und ihnen den Tod schenken. Sie entstehen aus besonders eigenwilligen Seelen, die sich dem Sterben widersetzen und von Lady Mar auserwählt werden, als Zorya aufzuerstehen. Die Idee dieser „Todesengel“ ist sehr gut umgesetzt, da der Tod dadurch weder negativ noch positiv bewertet, sondern einfach als notwendig dargestellt wird.
Blazons Welt hat dabei erneut überzeugt, sie war realistisch entworfen und durch die lebendigen Beschreibungen sehr gut vorstellbar.

Es dauert dagegen sehr lange, bis die eigentliche Geschichte überhaupt beginnt. Denkt man nämlich, man hat bereits alles durchschaut und der Geschichtenverlauf wäre klar, geschieht ein Umbruch und die Hauptgeschichte beginnt erst. Durch die vielen Täuschungen und Geheimnisse, die durch undurchsichtige Charaktere und Summers Gedächtnislücken entstehen, erzeugen und halten die Spannung, denn sie werden nur nach und nach aufgelöst und ergeben nur langsam ein vollständiges Bild. Es gibt zwar immer wieder kurze Längen, auf denen die Spannung nachlässt, da man aber immer wieder Teilwahrheiten erfährt und unbedingt wissen will, wie diese zusammenhängen, kann man nicht anders, als an den Seiten zu kleben. Man wird immer wieder auf falsche Fährten gesetzt, so dass die Wendungen ungeahnt und plötzlich ausfallen.

Die Charaktere haben ebenfalls überzeugt. Jeder Charakter war sehr vielschichtig aufgebaut. Summer besitzt ihren eigenen Kopf und handelt nachvollziehbar. Durch ihren Wunsch nach Zugehörigkeit und Liebe und ihrem Drang danach, ihre Erinnerungen wieder zu finden, kann man sich gut mit ihr identifizieren. Auch wegen ihrer Ängste kann mich sehr gut in sie hineinversetzen.
Stellenweise handelt sie zwar auch etwas eigenwillig und ist recht streitlustig/-süchtig, dies macht sie aber gerade einzigartig.

Die Liebesgeschichte überzeugt ebenfalls, denn obwohl die Moral der Geschichte am Ende die ist, dass Liebe wohl selbst den Tod überwinden kann, ist sie keineswegs kitschig, da es auch Streit zwischen den Liebenden gibt und längst nicht immer alles harmonisch zugeht.

Blazons Schreibstil ist wie immer flüssig und fantasievoll und zieht einen sofort hinein in ihre Geschichte.

Fazit:
Eine wunderbare Geschichte über die Liebe, die viele Hürden überwindet und über Jahrhunderte andauert und den Tod, der nicht urteilt, sondern einfach unausweichlich jeden ereilt und darüber, dass niemand sich ein ewiges Leben stehlen kann.
Eine starke Hauptperson und eine Welt voller Geheimnisse machen dieses Buch so besonders.

 4,5 von 5 Buchwelten.
Buchinformationen:
Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: cbt (10. Januar 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570160653
ISBN-13: 978-3570160657
Preis: 18,99 €
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Zur Autorin:
Nina Blazon, geboren 1969 in Koper bei Triest, aufgewachsen in Neu-Ulm, las schon als Jugendliche mit Begeisterung Fantasy-Literatur. Selbst zu schreiben begann sie während ihres Germanistik-Studiums – Theaterstücke und Kurzgeschichten – bevor sie den Fantasy-Jugendroman 'Im Bann des Fluchträgers' schrieb, der 2003 mit dem 'Wolfgang-Hohlbein-Preis' und 2004 mit dem 'Deutschen Phantastik-Preis' ausgezeichnet wurde. Seither haben Nina Blazons Bücher zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Die erfolgreiche Jugendbuchautorin lebt in Stuttgart.
Mehr auf: www.ninablazon.de

Kommentare:

  1. Schöne Rezension. Das Buch steht ja auch noch auf meiner Wunschliste. Liebe Grüße, Diti

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  2. Das Buch ist wirklich toll. Finde es immer wieder erstaunlich, wie Nina Blazon es schafft, ihre Leser eine ganze Weile an der Nase herumzuführen. :)
    Schöne Rezi!

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  3. Allerdings! Gerade denkst du, du hast es durchschaut, da sind deine Theorien und Vermutungen schon wieder im Eimer... Da macht das Lesen einfach Spaß :).

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