Samstag, 9. April 2011

Rezension "Im Bann der Engel" (Christiane Gref)

Im Bann der Engel von Christiane Gref

Die ersten Worte:
Missbilligend sah Jeremias Redcliff auf die Fingerabdrücke, die sich ölig vom Ebenholzrahmen des Spieltisches abhoben. Sein Blick wanderte zum Verursacher. Es war ein Schönling mit einer Entourage von, zugegebenermaßen, sehr attraktiven Frauen.

Inhalt:
Elena Winterstone ist Wissenschaftlerin mit Leib und Seele. Mit ihrem Team erschafft sie mechanische Engel: Männer, denen metallene Flügel implantiert werden und die unsterblich sind.
Diese Engel waren früher Verbrecher und nach ihrer Erschaffung hat Madame Hazard, Elenas Auftraggeberin, die Befehlsgewalt über sie.
Als schließlich auch unschuldige Männer verwandelt werden sollen, die sich gegen die Verwandlung weigern, erkennt Elena, dass es falsch ist, was sie tut.
Dieser Meinung sind auch die Bewohner der Stadt Cravesbury, die die Erschaffung der Engel verbieten wollen.
Davon lässt sich Madame Hazard allerdings nicht beeindrucken und beginnt mit dem Aufbau einer Truppe aus Engeln, die sie beschützen und ihr helfen sollen, die Stadt zu übernehmen.
Elena weiß, sie muss dagegen angehen und Madame Hazard Schachmatt setzen. Gemeinsam mit ihrem Verbündeten, dem Engel Amenatos, beginnt sie, gegen ihre Chefin vorzugehen.

Doch auch Madame Hazard hat Unterstützung. Die meisten Engel sind ihr treu ergeben und in ihrer Zofe Sophia hat sie eine Gefährtin gefunden. Neben der Verteidigung gegen die Stadt bedeuten Sophia und der Engel Marcellus für Hazard außerdem sexuelle Zerstreuung, die sie immer wieder gern in Anspruch nimmt.

Meinung:
Bereits das Cover und die Titelunterschrift „Steampunkroman“ weisen auf den Grundrahmen der Geschichte hin. In diesem Zusammenhang passt vor allem das Cover sehr gut zur Geschichte, die Zahnräder, wie auch der Flügel präsentieren wesentliche Bestandteile der Handlung.
Zu Anfang dauert es ein wenig, bis man sich an den Erzählstil der Autorin gewöhnt, da sie in 2 Perspektiven erzählt, zwischen denen sie sehr schnell und oft hin und herwechselt: abwechselnd schreibt sie aus Elenas und Sophias Sicht, ab und zu erhalten auch andere Figuren einen kurzen Erzählpart.
Der Spannungsbogen der Geschichte ist sehr gut aufgebaut, bis zum Ende der Geschichte lässt sie den Leser nicht mehr los und gipfelt und einem dramatischen Showdown, in den alle Charaktere eingebunden sind.
So richtig spannend wird es, als Elena zu begreifen beginnt, dass ihr Handeln falsch ist und sich gegen ihre Arbeitgeberin stellt. Elenas moralischer Standpunkt war mir dabei allerdings nicht ganz klar. Die Männer, die sie vor dieser Einsicht zum Engel machte, mögen zwar Verbrecher gewesen sein, sie aber deswegen einfach in Engel zu verwandeln oder bei dem Versuch sterben zu lassen, ohne Gewissensbisse zu haben? Wo Elena sonst doch eine so sympathische und rechtschaffene Frau ist? Das erschien mir doch ein wenig widersprüchlich. Sieht man von diesem Gegensatz einmal ab, ist Elena ein starker Charakter, mit dem man sich gut identifizieren kann. Ihre Entschlossenheit und Liebe zu Amenatos machen ihre Handlungen nachvollziehbar.
Durch Sophia wurde auch Madame Hazard gut beleuchtet, doch auch hier bleiben für mich Fragen offen. So hat sich mir bis zum Ende nicht ganz erschlossen, wo die Intention der Madame lag, Engel zu erschaffen und die Stadt in ihre Gewalt zu bringen.
Allgemein blieben alle Charaktere bis auf Elena eher flach, vor allem Sophia und Marcellus schienen in der ersten Hälfte für die Geschichte nur nützlich, um erotische Szenen einbauen zu können. Derlei Passagen waren recht zahlreich, fügten sich jedoch gut in die Gesamtgeschichte ein.
Das Setting und die Idee haben mir generell gut gefallen. Trotzdem schade, dass nie genau erwähnt wird, wann die Geschichte spielt und auch mechanische Elemente und Zusammenhänge, wie für den Steampunk typisch, eher weniger Beachtung fanden. So wird nie wirklich erklärt, wie die Schaffung der Engel überhaupt möglich ist. Man erfährt, dass die Flügel eingesetzt und die Männer vorbereitet werden, um dann in einem okkulten Ritus zu wahren Engeln zu werden, genauer wird darauf aber nicht eingegangen.
Grefs Schreibstil allgemein war sehr angenehm und flüssig zu lesen.

Fazit:
Der Roman wusste durch Spannung zu begeistern, der Idee überzeugt, doch mir fehlten die Atmosphäre einer steampunktypischen viktorianischen Zeit und eine gewisse Tiefgründigkeit der Nebencharaktere.
 3 von 5 Buchwelten.
Buchinformationen:
Broschiert: 220 Seiten
Verlag: Elysion-Books
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3942602083
ISBN-13: 978-3942602082
Preis: 12,90 €
Leseprobe

Vielen Dank an den Elysion Verlag und Jennifer Schreiner für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Die Woche über, Mittwoch war ich fertig, warum fragst du so schockiert? *lach*

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