Montag, 28. März 2011

Rezension "Splitterherz" (Bettina Belitz)

Splitterherz von Bettina Belitz

Die ersten Worte:
Etwas hat sich verändert. Ich kann es wittern. Die Luft ist weicher geworden, der Wald grüner, der Nachthimmel schwärzer. Der Mond weint.
Eine neue Seele ist da. Sie flattert wie ein gefangener Vogel. Sie ist unruhig, verzweifelt, launisch.

Inhalt:
Ellies Leben war gerade so schön und jetzt schleifen ihre Eltern sie aufs Land nach Kaulenfeld, weil ihr Vater eine neue Arbeitsstelle bekommen hat. Davon ist sie natürlich gar nicht begeistert. Ein neues Leben in der Einöde, weit weg von Köln und ihren Freunden – darauf kann sie verzichten.
Verhindern kann sie es allerdings auch nicht, deshalb beschließt sie, dieses letzte Jahr bis zum Abi einfach durchzuziehen und dann schleunigst aus Kaulenfeld zu verschwinden.
Die ersten Tage in der Schule sind die Hölle, die Dörfler stempeln sie sofort als Großstadttusse ab und das Wetter ist unberechenbar.
Zusätzlich hat Ellie manchmal das komische Gefühl, jemand würde sie beobachten, außerdem hört sie immer wieder eine Stimme. Schon bald ist sie der Meinung, sie gehöre in die Irrenanstalt.
Immer wieder begegnet sie währenddessen dem geheimnisvollen, unnahbaren Colin und merkt schon bald, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmt, obwohl sie sich zu ihm hingezogen fühlt. Und als Ellis Vater Colin kennen lernt, geht auch das gründlich schief...
Ihr wird befohlen, sich von Colin fernzuhalten, doch Ellie setzt ihren Sturkopf durch und beginnt Nachforschungen anzustellen. Dabei entdeckt sie ein Geheimnis, dass ihr gesamtes Weltbild durcheinander bringt und in das auch Colin und ihre Familie involviert ist.

Meinung:
Über „Splitterherz“ sagte Bettina Belitz in einem Interview, dass sie das Buch mit dem Vorsatz schrieb, den realistischsten Fantasyroman überhaupt zu verfassen. Und das ist ihr auch gelungen.
Belitz siedelt ihre Geschichte im gegenwärtigen Deutschland an und verbindet gekonnt eine Liebesgeschichte mit fantastischen Elementen. Sie bevölkert die Welt nicht gleich mit zahllosen Nachtwesen, sondern beschränkt sich auf eine Art, über die ich bisher in kaum einem anderen Buch etwas gelesen habe und die ich deshalb sehr interessant fand.
Den Hauptakzent legt sie jedoch eindeutig auf Ellies Gefühlswelt, denn es dauert, bis sie herausfindet, was Colin wirklich ist und auch dann lässt Blitz die Informationen eher nebenbei einfließen. Das fand ich auch gar nicht schlecht, denn durch die große Gefühlsbetonung wird die Geschichte sehr realistisch. Wirklich viel Spaß werden hier wahrscheinlich nur Jugendliche/junge Erwachsene haben, die Probleme mit sich selbst und der Umgebung (noch) nachvollziehen können, denn Ellie jammert manchmal schon ein wenig viel, statt die Dinge auch einmal in die Hand zu nehmen.
Es werden zahlreiche Themen aufgegriffen: Schwierigkeiten mit den Eltern, mit dem Freunde finden, mit dem „man selbst sein“ und der Liebe.
Ellie ist trotz ihrem Hang zu Selbstmitleid und Jammerei doch ein sympathischer Charakter, auch wenn es ein wenig dauert, entdeckt sie im Laufe der Zeit doch, wer sie wirklich ist und entwickelt tiefe Gefühle für Colin.
Colin bleibt lange Zeit sehr distanziert, zwar nicht ohne Grund, aber es nervt teilweise eben doch. In der zweiten Hälfte des Buches gefällt er mir jedoch schon wesentlich besser, da er offener wirkt und sich eben jene Gründe seiner Distanziertheit aufklären.
Ein Manko war für mich jedoch der Spannungsfaktor. Ellie fühlte zwar von Anfang an eine unterschwellige Bedrohung und es gab immer wieder spannende und fast schon gruselige Szenen, doch es baute sich einfach kein kontinuierlicher Spannungsbogen auf. Mehr als die Hälfte des Buches plätscherte das Geschehen so dahin und ich fühlte mich nicht wirklich gezwungen, weiter zu lesen. Danach wurde es jedoch spannender und man begann endlich mit Colin und Ellie mitzufiebern und zu lieben.
Am Ende erwartet den Leser auch ein furioser Showdown, der zwar leider nicht mit einem Happy End zu Ende geht, aber die Hoffnung auch nicht sterben lässt.
Der flüssige Schreibstil der Autorin hat mir wiederum ganz besonders gut gefallen. Bettina Belitz beschreibt sowohl Ellies Gefühle, als auch ihre Umgebung sehr lebendig und mit dem richtigen Maß an Details und interessanten Facetten.

Fazit:
Bettina Belitz hat mit „Splitterherz“ einen Fantasyroman geschrieben, der mit seiner Liebesgeschichte und den fantastischen Elementen überzeugen kann. Die Mischung stimmt und Belitz’ Welt ist faszinierend, zusätzlich hat sie als Setting Deutschland gewählt und das Buch für mich damit nochmals aufgewertet.
Wer launische Teenager-Charaktere allerdings nicht ausstehen kann, der sollte hier lieber vorsichtig sein.

 4 von 5 Buchwelten.
Buchinformationen:
Gebundene Ausgabe: 630 Seiten
Verlag: Script5
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839001056
ISBN-13: 978-3839001059
Preis: 19,90 €

Aus der "Splitterherz-Triologie":
  1. Splitterherz
  2. Scherbenmond
Ich bedanke ich recht herzlich beim Script5-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

    Kommentare:

    1. Ich hab noch einen Award für dich ;)
      http://lesezimmerchen.blogspot.com/2011/03/wow-noch-ein-award.html

      Lg

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    2. Hey :)
      Hab deinen Blog eben entdeckt, und finde ihn super!
      Falls du meinen Blog noch nicht kennst, würde ich mich freuen, wenn du mal vorbeischauen würdest! www.binzis-buecher.blogspot.com
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