Montag, 17. Januar 2011

Rezension "Hexenkuss" (Nancy Holder & Debbie Viguié)

Hexenkuss – Witch von Nancy Holder und Debbie Viguié

Die ersten Worte:
Na toll. Ein Unwetter. Auch das noch.
Holly ignorierte vorübergehend die scharfen, hitzigen Worte, die ihre Eltern im Bug des Schlauchkajaks wechselten, und blickte zu dem Streifen Himmel zwischen den Wänden des Canyons auf.

Inhalt:
Gerade befindet sich Holly Cathers mit ihrer besten Freundin Tina und ihren Eltern im Urlaub auf einer Bootstour, als das Schicksal ihr böse mitspielt und ihr durch einen Unfall sowohl die beste Freundin als die Eltern nimmt. Als Einzige überlebt sie den Zusammenstoß mit einem Felsen in den Stromschnellen.
Ihr bleibt nichts anderes übrig, als zu ihrer Tante Marie-Claire Anderson-Cathers und deren Familie nach Seattle zu ziehen. Dort geschehen jedoch seltsame Dinge und als sie auf den gutaussehenden, unnahbaren Jeraud Deveraux trifft, hat sie eine seltsame Vision, die aus einem vergangenen Zeitalter zu stammen scheint. Sofort fühlt sie sich zu Jer hingezogen.
Bald müssen sie und ihre Cousine und neu gewonnene Freundin Amanda feststellen, das Michael Deveraux, Jerauds Vater, hinter ihrer Familie her ist und das all diese seltsamen Vorkommnisse auf einer alten Fehde zwischen zwei Hexenzirkeln zurückgeht: den Cahors, denen Holly angehört, und den Deveraux, aus deren Geschlecht Jer stammt. Und beide Zirkel wollten den jeweils anderen auslöschen – was sich bis heute nicht geändert hat.

Meinung:
In große Begeisterung hat mich „Hexentöchter“ nicht versetzt, dazu war die ganze Sache - vor allem zu Anfang - einfach zu verwirrend und schlecht gegliedert.
Die Geschichte beginnt turbulent: mit dem Tod von Tina und Hollys Eltern, den Geschehnissen in ihrer Heimatstadt und schließlich dem Umzug zu ihrer Tante, aber durch die ständigen Perspektivenwechsel zwischen Holly, Marie-Claire, Jeraud und Michael fällt es anfangs schwer, Holly als Hauptcharakter wirklich kennen zu lernen. Überhaupt erscheint Jeraud in der ersten Hälfte der Geschichte viel öfter und ist auch wesentlich interessanter als Holly.
Ich will nicht sagen, dass die Perspektivenwechsel unbedingt nur negativ sind, denn so erhält man einen besseren Überblick über die gesamten Geschehnisse und die Spannung wird angefacht, da man erkennt, wie bösartig Michael wirklich ist und was er im Schilde führt.

Die Geschichte spielt zwar in der Gegenwart, es sind aber sehr viele Flashbacks in die Vergangenheit eingebaut, die teilweise ohne Zusammenhang und Sinn eingestreut zu sein scheinen. Sie bilden die Vorlage für das Schicksal, dass auch Holly und Jer widerfährt, nehmen deshalb aber den Ausgang der Geschichte teils vorweg.

Die unsterbliche Liebe zwischen Holly und Jer habe ich derweil auch größtenteils vergebens gesucht. Ihre Liebe ist durch Isabeau und Jean – die Figuren deren Reinkarnation Holly und Jer sind und deren Vergangenheit die beiden in Visionen erleben – vorherbestimmt, aber in der Gegenwart ist da nicht viel zu erkennen von einer gefühlvollen Beschreibung der aufkommenden Gefühle. Sie fühlen sich zueinander hingezogen und Punkt. In seltsamen Teilvisionen kommen sie sich näher, hinterher verändert sich aber nichts und es bleibt offen, ob die Begegnungen Träume oder wahre Erlebnisse waren.
Zusätzlich hat Jer außerdem eine Freundin, von der er sich trotz seiner ach so unsterblichen Liebe zu Holly nicht trennt. Ich meine, mal im Ernst: was ist das denn bitte?!

Als sehr nervig empfand ich auch das ständige Französisch, das gesprochen wird. Gut, die Familien stammen urpsrünglich aus Frankreich, aber müssen sie deshalb auch die ganze Zeit in der Sprache quasseln? Die Sprache muss eine Faszination auf die Autoren allgemein ausüben, ich habe schon etliche Bücher gelesen, in denen mir das auf die Nerven gegangen ist.

Einige Pluspunkte hatte die Sache aber auch: Zum Beispiel ist die Welt der Magie sehr schön ausgearbeitet, die Idee der Zirkel glaubwürdig – wenn ihr auch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird, aber vielleicht folgt die in kommenden Bänden – und die Zaubersprüche sind sehr schön ausgearbeitet.
Überhaupt hat mir die Idee der Hexen und Hexer in den verschiedenen Zirkeln gut gefallen, da ich selbst auch noch nichts großartig zum Thema Hexen gelesen habe.
Durch die drohende Gefahr durch Michael herrscht durchweg eine düstere und gefährliche Stimmung, die trotz allem zum Weiterlesen bewegt und wenigstens ein wenig Spannung erzeugt.
Auch der Showdown hat mich im Endeffekt im Vergleich zum Rest recht zufrieden gestellt, obwohl er weitaus fulminanter hätte ausfallen können, wo die Autorinnen es doch mit der Brutalität nicht zu eng sehen. Für ein YA-Buch war die Geschichte doch sehr brutal, Menschen werden einfach ermordet, nicht einmal ein triftiger Grund scheint dafür nötig zu sein.

Es werden jedoch keinerlei Fragen geklärt, weder ist der Gegner besiegt, noch hat sich in der Beziehung zwischen Jeraud und Holly groß etwas getan. Bloß ein Haufen mehr oder weniger wichtige Nebencharaktere sind gestorben.
So bin ich ja schon beinage geneigt, dem Folgeband „Hexentochter“ eine Chance zu geben – es bleibt die Hoffnung auf Besserung –, da ich wissen möchte, wie es weitergeht. Aber ob ich mir das wirklich noch mal 300 Seiten lang antun will, also ich weiß ja nicht…

Fazit:
Ich kann das Buch nicht empfehlen.
Eine nette Hexengeschichte, der aber eindeutig die Spannung und die versprochene Romantik fehlen. Geschichte und Charaktere überzeugen gegen Ende sogar, bis dahin ist der Weg aber auch weit.
Das ganze Projekt ist einfach unzureichend durchdacht und hat mich daher nicht überzeugt, mehr als 2 Buchwelten sind da nicht drin.

2 von 5 Buchwelten.
Buchinformationen:
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Penhaligon Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764530766
ISBN-13: 978-3764530761
Originaltitel: Wicked. Witch

Aus der Reihe "Witch":
  1. Hexenkuss
  2. Hexentochter (erscheint am 24. Januar 11)
  3. Hexenerbe (erscheint am 25. April 11)

Kommentare:

  1. Wäh, ich hab das auch noch vor mir, aber deine Rezi und die anderen Eindrücke ermuntern mich nicht gerade zum Lesen :-(

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  2. Wenn es nicht gerade ein Rezensionsexemplar ist, würde ich dir auch nicht unbedingt empfehlen, es so bald zu lesen, es war wirklich so gar kein besonderes Leseerlebenis...

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  3. Oh je, das hört sich ja gar nicht gut an :(
    Ich möchte das Buch eigentlich unbedingt lesen, weil es mich vom Inhalt her direkt angesprochen hat. Aber jetzt überlege ich doch, ob ich das Risiko eingehen will und dafür Geld ausgebe :/

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  4. Der Inhalt hat mich auch total angesprochen und ich wurde dann doch sehr enttäuscht.
    Aber da gehen die Meinungen auch auseinander. Bei Lisa von Reden ist Silber Lesen ist Gold habe ich z.B. eine Rezi gelesen, die mich damals vom Kauf überzeugt hat: http://redenistsilberlesenistgold.blogspot.com/2010/12/rezension-witch-hexenkuss-von-nancy.html
    Da muss sich wohl jeder seine eigene Meinung bilden.

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